Vermengung von staatlichen und kirchlichen Belangen 
  
müfigen Unterhalt»! nicht mehr aus. Zu dieser unerfreulichen 
Situation haben vor allem der Wandel der Wirtschaftsstruktur und 
die sozialen Umschichtungen geführt ?. 
1858 sind die Benefizialverhältnisse im Lande nach einem Bericht 
des Landesverwesets Menzinger noch weitgehend intakt und zu- 
friedenstellend. Er schreibt am 20. September 1858 3 an den fürst- 
lichen Dekan Ignaz Wenzel, die Benefizien, die teils aus Gütern, 
teils aus Zehnten, Kapitalien und Grundzinsen beständen, seien 
«anständig» und «mitunter sehr gut» dotiert *. Er bemerkt jedoch 
an anderer Stelle, die Zehntablösung — «auf Anlangen der Bevôlke- 
rung höchsten Orts wiederholt ausgesprochen und zugesichert» — die 
die Pfründen von Balzers, Triesen, Vaduz, Schaan, Eschen und Mauren 
betreffen werde, sei noch nicht erfolgt und stehe bevor. Der Ab- 
lösungsmodus könne aber nicht der gleiche sein wie in Österreich, 
wo «zur Abhilf der Staat mit reichen Fonds eintreten» könne. Viel- 
mehr müften die zehntpflichtigen Gemeinden den Pfründen den 
Ausfall im «verkómmlichen Wege» oder nach einer «billigen Schát- 
zung» ersetzen >. 
1 Zitiert aus dem Schreiben des Klerus an den Fürsten bezüglich der Besteue- 
rung der Pfrundgüter zu Gemeindelasten vom 12. August 1865, BAC O 193 e[1865. 
2 Die Naturalwittschaft witd von der Geldwirtschaft abgelóst und die Bevólke- 
rungszahl steigt zusehends. 
3 LRA CVII 136 Nr. 967. 
* Es heiBt in seinem Schreiben u. a. «... und wite det (vom Bischof) Bestätigte 
ein Ausländer, so hat er die Bewilligung bei St. Durchlaucht zu erwirken, die 
Pfrund antreten zu dürfen, weil kein Fremder ohne Bewilligung des Souverains 
ein Amt übernehmen darf. Da nach dieser canonischen Einrichtung die all- 
seitigen Rechte gewahrt sind, so dürfte es bei derselben sein Bewenden behalten, 
und zwar umsomehr, als die Liechtensteiner Benefizien weit besser dotiert sind, 
als jene im Canton Graubünden, und daher sehr darauf gesehen werden muß, 
daß jene für die qualificierten Landeskinder thunlichst vergeben werden.» 
Das Einkommen der Pfarrei «Balzers mit Mels», die 1083 «Seelen» umfafte 
und deren Patron die Gemeinde war, berechnet Menzinger mit 1200 fl. RW.; 
das Einkommen des Frühmeflbenefiziums, dessen Patron ebenfalls die Gemeinde 
wat, auf 400 fl. RW. 
5 Vgl. das Gesetz, B 31/$ 16. In einem Schreiben vom 18. August 1859 an den 
Fürsten (HA Wien H 1859/18. August; dieser Akt wurde mir freundlicherweise 
von Dr. Peter Geiger zugestellt) fordert das bischöfliche Ordinariat wiederholt, daß 
auch der durch die fürstliche Verordnung vom 7. April 1848 (B 22; vgl. auch 
B 24 Att. 4) unentgeltlich aufgehobene Novalzehnt, womit sich die Kirche nicht 
einverstanden erklärte, nachträglich abgelöst und entschädigt werden müsse, auf 
jeden Fall der kirchliche Teil, der 2/3 des Novalzehnten ausmache. Die kirch- 
lichen Behörden waren nämlich der Ansicht, daß der Fürst nur seinen Anteil 
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