Staatlicher und kirchlicher Zuständigkeitsbereich 
  
Nicht unerwähnt bleiben darf der in der Zielsetzung ausgewogenere 
Vorschlag des bischóflichen Ordinariates «ihre Verfassung, Lehre 
und Kultus genießen den vollen Schutz des Staates», der beim Vet- 
fassungsgeber auf Ablehnung stief) !. 
Der kirchlichen Selbstindigkeit ist nach dem Ansinnen der am 
Verfassungswerk unmittelbar beteiligten Personen offensichltich 
auch im Begriffe der Landeskirche trotz des dadurch gekennzeich- 
neten besonderen Nahverháltnisses zum Staate ? das Wort geredet ?. 
Im Staatsbewuftsein hat sich die Überzeugung breit gemacht, daf 
Staat und Kirche im Grunde zwei voneinander wesensmüáfig untet- 
schiedene Größen sind *. 
Die Frage der Grenzziehung zwischen den staatlichen und kirch- 
lichen Angelegenheiten läßt sich von der Verfassung her demnach 
dahin beantworten: Ein «prä- und extrapositiver Kompetenzbereich» °, 
den man gemeiniglich mit «inneren Angelegenheiten» 6 zu bezeichnen 
und zu umschreiben pflegt, ist der Kirche kraft ursprünglichet, 
eigener Herrschaftsgewalt zuzuerkennen. Diese « staatsfreie Spháre» ", 
innerhalb derer das kirchliche Selbstbestimmungsrecht zu freier 
Entfaltung kommen kann, hat die Staatsordnung vorgefunden und 
1 Zitiert aus dem Schteiben des Bischofsan den Landesverweser vom 17. August 
1921, LRA Reg. 1921 Nr. 963 oder BAC O 193 e/1921; in einem andern Vor- 
schlage «Die römisch-katholische Kirche genießt als Landeskirche den Schutz 
des Staates nach MaBgabe ihrer Rechtsnormen», wurde eine Beeinträchtigung der 
Rechte des Fürsten und der Volksvertretung erblickt, demzufolge wurde diese 
Formulierung «einhellig» abgelehnt. So ausgeführt im Schreiben Ospelts an den 
Bischof vom 5. August 1921, BAC O 193 e/1921. 
2 Der Begriff «Landeskirche» trägt unverkennbar die Züge einer noch im 
Staate aufgehenden Kirche. Dies bezweckte der Verfassungsgeber aber wohl 
nicht. 
3 Ospelt spricht in seinem Schreiben an den Bischof vom 27. August 1921, 
LRA Reg. 1921 Nr. 963 oder BAC O 195 e/1921, von der «kirchentreuen Ge- 
sinnung» des Landtages und die Fassung des $ 37 (nach geltender Verfassung 
Att. 37, A 19) sei «vollkommen entsprechend und dem Interesse und der Stellung 
der katholischen Kirche voll Rechnung tragend». 
+ Dies bezeugen die Worte «... wobei ich sehr dafür bin, daß die Wahrnehmung 
der gegenseitigen Rechte möglichst einvernehmlich und in entgegenkommender 
Weise erfolge ...» aus einem Schreiben an die Kabinettskanzlei vom 2. Oktober 
1921, LRA Reg. 1921 Nr. 963. 
5 Gamer, in: Tus Sacrum 846. 
6 So die meisten schweizerischen kantonalen Vetfassungen. 
7 ANTONIOLLI 229. 
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