Kirchenpolitische Disparität 
  
Die in Art. 37 Abs. 2 sachlich gebotene Differenzierung der Kir- 
chen in ihtem Rechtsstatus nach dem Axiom: Jedem das Seine, nicht 
das Gleiche, findet ihren Rückhalt zumeist in der zahlenmäßigen, den 
Stütkeverhültnissen und dem Einfluß der Religionsgemeinschaften 
entsprechenden Einstufung in die zivile oder öffentliche Rechtsord- 
nung, die auch dem historischen Zusammenspiel von Staat und katho- 
lischer Kirche gerecht zu werden versucht. 
IT. Ausblick 
1. Der Verfassung ist ein Paritätsgebot den Kirchen gegenüber fremd. 
Schon in den ersten Entwürfen zur neuen Verfassung * ist zu spüren, 
wie der Verfassungsgeber sich bemüht, die Eigenart det katholischen 
Kirche zu erfassen und sie dutch Schutzbestimmungen vor anderen 
Konfessionen auszuzeichnen. Er stellt dabei auf die historische Be- 
sondetheit der katholischen Kirche und deren bedeutende Wirksam- 
keit im öffentlichen Leben ab. Es ist geradezu ein Merkmal des Staats- 
kirchensystems des Grundgesetzes, die rechtliche Sonderstellung der 
katholischen Kirche verfassungsmäßig zu verankern. 
2. Die Mischehenvereinbarung aus dem Jahre 1866 * vermag vor- 
züglich den eng gesteckten Spielraum aufzuzeigen, der dem Ver- 
fassungsgeber verblieb, das Verhältnis des Staates zu anderen Kon- 
fessionen zu ordnen, die unter dem Eindrucke der streng katholischen 
Geisteshaltung des letzten und noch anfangs dieses Jahrhunderts von 
der staatlichen Ordnung fern gehalten werden sollten °. Ein Umden- 
ken braucht seine Zeit. Aus Art. 37 der Verfassung scheinen m. E. 
Anzeichen eines allmählichen Sinnwandels und der Notwendigkeit 
zu sprechen, die Beziehungen zu anderen Konfessionen zu regeln. 
Tatsache ist, daß die Existenz anderer Religionen zum ersten Mal 
nicht mehr übergangen werden konnte, wenn sie auch nicht mehr 
als zur Kenntnis genommen wird. Dadurch ist aber einem Einheits- 
denken die Spitze gebrochen. 
1 A 14 &. 
2 C4. 
3 Eindrückliche Beispiele C 4 Ziffer 1 und 2. 
  
  
 
        

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