Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/84/
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Unter diesen war Bischof Heinrich von Chur. Ihn schickte 
Gregor VII. mit den Bischöfen Gerold von Ostia, Humbert 
von Präneste und Rainald von Como, bei denen sich auch die 
Kaiserin-Mutter Agnes befand, an Heinrich IV., um die An 
gelegenheiten wegen der Belehnung mit Ring und Stab und 
wegen der Simonie (Verkauf geistlicher Aemter) zu ordnen. 
Sie baten den König, er möge ihnen erlauben, die Bischöfe des 
Reiches zu einer Synode zu versammeln, damit dieser hoch 
wichtige Gegenstand zu allgemeiner Zufriedenheit ins Reine 
gebracht werde (1078). Aber vergeblich war diese Sendung. 
AIs im folgenden Jahre der Erzbischof von Mainz die Prä 
laten zu einer Synode versammelte, erschien auch Bischof 
Heinrich von Chur, abermals im Auftrag des Papstes, bei 
derselben. Er verlas das Schreiben, welches ihm der hl. Vater 
übergeben und worin dem Erzbischof aufgetragen war, alle 
Priester seines Sprengels anzuhalten, daß sie entweder den 
Weibern oder den geistlichen Verrichtungen entsagten. AIs 
die Versammlung dies vernahm, entstand eine so gewaltige 
Aufregung, daß Bischof Heinrich mit dem Tode bedroht wurde 
und sich nur mit Mühe retten konnte. 
König Heinrich IV. siegte indessen über die Sachsen und 
setzte ihre Häupter gefangen. Gregor VII. hatte mehrere Bi 
schöfe, die ihre Stellen erkauft hatten, und die Räte des Kö 
nigs, welche den Handel mit den geistlichen Stellen trieben, 
in den Bann getan; der König aber ließ jene auf ihren Stüh 
len und diese entfernte er nicht aus feiner Umgebung. So 
blieb die Kirchenstrafe wirkungslos. Deshalb lud der Papst 
den König zur Verantwortung nach Rom. Als Antwort dar 
auf rief Heinrich IV. die ihm gefügigen Bischöfe nach Worms 
zu einer Synode und diese erklärten den Papst für abgesetzt. 
Die Folge dieses Schrittes war, daß der hl. Vater den König 
in den Bann tat und ihn des Reiches verlustig erklärte. Zu 
gleich erließ er wegen dieses Verfahrens gegen den König 
Rechtfertigungsschreiben an die deutschen Fürsten. Diese ver 
sammelten sich zu Tribur und waren schon im Begriff, den 
König abzusetzen, als sie auf fein dringendes Bitten davon 
abstanden unter der Bedingung, daß er alle Gebannten aus 
feiner Umgebung entferne, sein Kriegsvolk entlasse und sich 
der Reichsregierung enthalte, bis er vom Banne befreit sei. 
Würde die Lösung vom Kirchenbann binnen Jahresfrist nicht 
erfolgen, fei die Absetzung unwiderruflich. Der König ging 
diese Bedingungen ein, wartete aber lange mit der Erfüllung 
derselben; endlich, da der Papst zu Lichtmeß auf dem Reichs 
tag erscheinen wollte, stieg er, um demselben zuvor zu kom
        

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