Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/83/
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geben, ihrem Schwiegersohn, samt der Regierung über Bur 
gund. — 
Die Regierung Heinrichs IV. war eine unselige und 
stürmevolle. Willkürlich entsetzte er Otto, einen sächsischen 
Fürsten, des Herzogtums Sachsen, und Bertold von Zähringen 
des Herzogtums Kärnten, verkaufte ohne Scheu geistliche Aem 
ter und Würden um große Geldsummen, und legte Zwing 
burgen im Lande Sachsen an, um dasselbe seiner Rechte und 
Freiheiten zu berauben. Da verbanden sich die Großen des 
Reiches gegen den König und die Sachsen griffen zu den 
Waffen und brachen die Zwingburgen. Zu Rom aber ward 
nicht mehr von der Geistlichkeit und dem Volk, sondern nach 
der Verordnung des Papstes Nikolaus vom Jahre 1059 von 
den Kardinälen Gregor VII. auf den Stuhl des hl. Petrus 
erhoben und König Heinrich bestätigte die Wahl. 
Gregor VII. war einer der größten Päpste, ein Mann 
von großer Strenge der Sitten, der ein hohes Ziel mit unbeug 
samem Willen verfolgte. Es war dies kein geringeres als die 
Befreiung der Kirche von allem weltlichen Einfluß und unbe 
dingte Unterwerfung der Geistlichkeit unter das kirchliche 
Oberhaupt, den Papst. Dies suchte Gregor VII. dadurch zu 
erreichen, daß er die Priesterehe aufs strengste verbot und allen 
Gläubigen bei Strafe des Bannes untersagte, bei einem be 
weibten Priester die Messe zu hören, daß er ferner ebenfalls 
bei Strafe des Bannes allen weltlichen Großen gebot, fortan 
keinen Bischof oder Abt mit Ring und Stab zu belehnen. Der 
Geistliche, welcher eine solche Belehnung empfing, war von 
der Kirche ausgeschlossen. Die Güter der geistlichen, wie der 
weltlichen Großen, waren Lehen des Reiches und die Ein 
setzung in die Lehen und in die damit verbundenen Rechte und 
Einkünfte geschah durch Ueberreichung gewisser äußerer Zei 
chen, bei den Herzogen durch Ueberreichung einer Fahne, bei 
Bischöfen und Aebten durch Ueberreichung von Ring und 
Stab. Diese waren aber Sinnbilder der geistlichen Gewalt 
und Würde, welche zu verleihen kein weltlicher Fürst die 
Macht hat. 
Diese Verordnungen des hl. Vaters riefen bei den ver 
heirateten Geistlichen und denjenigen Bischöfen und Aebten, 
welche ihre Würde erkauft hatten, große Aufregung hervor. 
Das gemeine Volk aber, welches die Sittenlosigkeit und Hab 
sucht vieler Geistlichen in der Nähe sah, und alle, welchen die 
Kirche und die Erhaltung der christlichen Zucht mehr galt als 
der Privatvorteil und die Leidenschaft des Augenblicks, zollten 
dem hl. Vater Beifall und standen fest auf seiner Seite.
        

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