Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/517/
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Schranken ganz unbestimmbar waren. Umsomehr hielt es an 
der alten Ordnung, als an einer Ehrensache. Die Beamten 
dagegen legten ihm dies Festhalten am Alten als Ungehorsam, 
Widerspenstigkeit und aufrührerisches Wesen aus. „Die Land- 
ammänner und Gerichte der alten Ordnung hätten auf Kosten 
der Gemeinden und Parteien wohl gelebt, viel Geld vertan 
und nichts gebessert", hieß es. Dagegen behauptete die Land 
schaft: „Waren Mißbräuche da, so hätte eine weise Obrigkeit 
diesen begegnen können, ohne die Sache selbst abzuschaffen; die 
neue Ordnung sei kostspieliger, man sehe wohl, daß die Sache 
einen anderen Grund habe, als man vorgebe." 
So stieg die Beunruhigung der Gemüter. Angesehene 
und «ermögliche Männer verließen das Land, um sich eine 
neue, glücklichere Heimat zu erwerben. Kredit und Wohlstand 
nahmen ab. Die unaufhörlichen Truppendurchmärsche wurden 
eine wahre Landplage. Bei dem schwäbischen Kreis war das 
Fürstentum im Verhältnis zu seiner Größe und Bevölkerung 
viel zu hoch angeschlagen. Vertrauensvoll wandte sich das Land 
an den Fürsten, bat um Herstellung ihrer früheren Gerecht 
same, um Milderung wegen der schwäbischen Kreislasten und 
Truppendurchmärsche, und als die schriftlichen Vorstellungen 
keine Wirkung hatten, schickte sie später den Alt-Landammann 
Thomas Walser nach Wien, um die Anliegen des Landes per 
sönlich zu betreiben. 
Der Fürst Josef starb am 17. Dezember 1732 und hinter 
ließ von seinen vier Gemahlinnen nur eine Tochter und den 
Sohn Karl, welcher noch unmündig war. Die vormundschaft 
liche Regierung führte Fürst Josef Wenzel, derselbe, welcher 
Vaduz und Schellenberg an Anton Florian vertauscht hatte. 
An ihn wandte sich die Landesvertretung in einer ausführ 
lichen Denkschrift, worin sie ihre Gerechtsame auseinandersetzte 
und begründete und um Wiederherstellung der alten Verfassung 
bat. Hierauf wurde eine Kommission in das Fürstentum ge 
schickt, um die Sache an Ort und Stelle zu untersuchen. In 
folge dieser Untersuchung wurde dem Lande ein Brief zuge 
stellt (September 1733) des Inhalts: 
1. Die beiden Landschaften sollen das Recht haben, ihre 
Landammänner nach alter Weise zu bestellen; dieselben sollen 
auch bei Blutgerichten den Beisitz haben und nachdem von dem 
jeweiligen Landschreiber das Urteil abgelesen worden, den 
Stab führen und brechen. 
2. Bei allen Derhörtagen vor dem Oberamt sollen die 
jeweiligen Landammänner den Beisitz haben, jedoch ohne 
Stimmrecht.
        

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