Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/502/
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die Sache vorgebracht und um Satisfaktion gebeten. Die Rast 
tage sollen auf östreichischem Gebiete gehalten und das Volk 
in einem Marsch durch unser Territorium geführt werden. 
Auch sollen die Truppen das, was sie verzehren, bezahlen. Er 
empfahl den Beamten Wachsamkeit. » 
So wurden die kleinen Reichsstände von den größeren 
stets gedrückt und geplagt. Dennoch blieb das deutsche Reich 
durch sein Alter und die Erinnerungen, die sich an dasselbe 
knüpften, eine ehrwürdige Erscheinung, und die Geschichte kennt 
kein Beispiel von einem so seltsamen und vielgegliederten 
Staatskörper. Nichtdeutsche Mächte wie Dänemark, England, 
Schweden waren wegen einzelner Besitzungen Stände des 
Reichs und stimmten auf Reichstagen. Der Kurfürst von 
Brandenburg führte seit 1701 wegen Preußen den Königstitel. 
Dem neugewählten Kaiser legten die Stände eine Wahlkapi 
tulation vor, d. h. gewisse Bedingungen, unter denen er sein 
Amt verwalten sollte, und dabei vergaßen sie nicht, ihre lan 
desherrlichen Rechte zu wahren und zu mehren. Vorzüglich 
drangen sie darauf, daß die Landstände und Untertanen eines 
jeden Reichsstandes zum Unterhalt der Reichsgerichte, der 
Landesverteidigung, Reichsanlagen usw. sollten zur Beihilfe 
gezogen werden dürfen, und daß keinerlei Privilegien vor sol 
chen Lasten schützen und die Reichsgerichte keinerlei derartige 
Klagen der Untertanen gegen ihre Herren annehmen sollten. 
Deshalb wurden auch den Landschaften Vaduz und Schellen 
berg die Verträge von 1614 und 1688 nicht gehalten. Land 
stände oder Landsaßen nannte man den Adel, die höhere Geist 
lichkeit und die Städte, alles andere waren Untertanen. Je 
größer die Macht der Reichsstände in ihrem Lande und über 
ihre Untertanen wurde, desto weniger galt der Kaiser. Zwischen 
den Reichsständen selbst wurde die Einigkeit durch Eifersucht, 
Rangstreitigkeiten und die Verschiedenheit der Religion getrübt. 
Die religiösen Besorgnisse wurden stets wach erhalten, zumal 
da die Mitglieder des Jesuitenordens und andere Volksmissio- 
näre sich Mühe gaben, die Abgefallenen zum alten Glauben 
zurückzuführen. Einigkeit und Vertrauen zwischen dem Kaiser 
und den Ständen hätten Großes leisten können, aber beide fehl 
ten in den entscheidenden Augenblicken und nur zu oft schlossen 
sich deutsche Stände an auswärtige Mächte gegen Kaiser und 
Reich an. So kam es, daß die Reichskriege ohne Nachdruck ge 
führt zum Nachteil des Reiches endeten. So wenig belebte 
vaterländischer Sinn die Herren und ihre Ratgeber, daß Frank 
reich schon damals den Plan zum Umsturz des deutschen Nei-
        

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