Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/399/
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Das ordentliche oder Ieitgericht wurde zweimal des Jah 
res gehalten, im Mai und Herbst, und hieß deshalb Maisn- 
und Herbstzeitgericht. Vierzehn Tage vorher wurde es durch 
den Waibel ausgerufen. Ehe das ordentliche Gerichtsverfahren 
begann, mußte das Gericht „verbannt" werden. Dies geschah 
auf folgende Weise. Der Landammann und die Richter er 
hoben sich von ihren Stühlen. Darauf richtete der Landammann 
folgende Fragen an die Richter: Erste Frage: „Ich frag euch 
des Rechten bei dem Eid, ob ich bei oder zu bequemlicher 
Tageszeit gesessen und ob der Tag an ihm selber weder zu 
früh noch zu spät, noch zu heilig, noch zu schlecht sei, daß ich 
möge aucheben den Stab der Gerechtigkeit und möge richten 
und urteilen über Leib, Ehre und Güter, Fleisch und Blut, 
Geld und Geldeswert, auch über alles, was auf heutigen Tag 
vorgebracht wird. Urteilet darum, was euch Recht dünkt." 
Zweite Frage: „Ich frag euch bei dem Eid, ob das gegen 
wärtige Gericht genugsamlich mit Richtern besetzt sei, ob ihr 
auch sonst unter diesen Richtern einen möchtet erkennen, oder 
Wissen haben, der nicht ehrlich wäre oder welcher von den 
selben unbilliger Weise dasitze, den oder dieselben wollet an 
zeigen, bei dem gesagten Eid." Dritte Frage: „Ich frag euch 
Rechtens, ob es sich auf heutigen Tag zutrüge, nachdem wir 
niedergesessen, daß man das hochwürdige Sakrament vorüber 
trüge, ob ich Macht hätte, mit euch aufzustehen, demselben die 
gebührende Reverenz zu erweisen und, nachdem es noch bei 
guter, bequemer Tageszeit wäre, ob ich Macht hätte, mit euch 
niederzusitzen, mit euch zu richten und zu urteilen, ob es den 
kaiserlichen Rechten unnachteilig wäre." Die vierte Frage: 
„Ich frag euch des Rechten, ob es sich zutrüge, indem wir zu 
Gericht sitzen, daß ein Lärmen, ein Feind, Feuer- oder Wasser 
not käme, oder würde, ob ich Macht hätte, mit euch auszu 
stehen, solchen Lärmen retten und stillen zu helfen, und es 
noch bei guter Tageszeit wäre, daß wir wieder niedersitzen, ob 
es den kaiserlichen Rechten nicht entgegen wäre." Die fünfte 
Frage: „Ich frag euch des Rechten um einen Bericht, ob 
sich zutrüge, indem ich zu Gericht sitze, daß mich Gott der 
Allmächtige mit einer unvorhergesehenen Krankheit angriffe, 
wie ich mich dann verhalten müßte, damit den kaiserlichen 
Rechten kein Nachteil ober Verletzung beschehe." Sechste Frage: 
„Ich frag euch des Rechten, ob sich zutrüge, indem wir zu 
Gericht würden sitzen, daß große Winde, Regen, Schnee oder 
Hagel oder ander Ungewitter einfielen und entständen und 
dadurch dem Gerichtsbuch Schaden widerfahren möchte, und 
männiglich verhindert würde, ob ich nicht Macht hätte, auf-
        

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