Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/329/
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Hochschulen warfen sich mit Feuereifer auf das Studium der 
heidnischen Klassiker, verachteten die Werke der kirchlichen 
Überlieferung und gerieten dadurch auf die schiefe Ebene, die 
viele zum Abfall fiihrte. 
Mit Italien machte sich das deutsche Reich nichts mehr 
zu schaffen; man überließ es seinem Schicksal und es verlor 
an Macht und Reichtum, seitdem die Portugiesen den See 
weg nach Indien um Afrika herum fanden und Lissabon, ihre 
Hauptstadt, ein Hauptplatz des Welthandels wurde, und feit 
Christoph Kolumbus Amerika entdeckte (1492) und den Spa 
niern, in deren Dienst er war, eine neue Welt eröffnete. Der 
Enkel Maximilians, Kaiser Karl V., erbte die spanische Krone 
und die neu entdeckten Länder in Amerika. 
Im deutschen Reiche traf Kaiser Maximilian gute An 
ordnungen. Auf dem Reichstage zu Worms wurde ein ewiger 
allgemeiner Landfriede beschlossen (1495) und schwere Strafen 
gegen die Übertreter desselben festgesetzt. Gegen das „ab 
scheuliche Fluchen", welches damals sehr im Schwünge war, 
und gegen das „Volltrinken" wurden scharfe Verordnungen 
erlassen; denn unsere Vorfahren hatten neben vielen Tugen 
den gar rohe Gewohnheiten. Der Aufwand bei Hochzeiten 
und die Kleiderpracht sollten abgestellt und die Zigeuner 
überall ausgewiesen werden. Da man auch den Wein nicht 
unverfälscht ließ, ward geboten, man solle die Trauben ohne 
Beisatz auf die Kelter legen, den Most rein lassen, ihn in 
reine Fässer bringen und ihm keinen künstlichen Geschmack geben. 
Da auf Reichstagen nicht alle Geschäfte erlediget werden 
konnten, auch die häufige Versammlung derselben Schwierig 
keiten hatte, wurde ein Reichsregiment eingeführt, das aus 
ständigen Beisitzern bestand, und das Reich zur Aufrechterhal 
tung des Landfriedens in sechs Kreise geteilt (Franken, Baiern, 
Schwaben, Oberrhein, Westfalen mit dem Niederrhein, Sach 
sen). Später kamen noch dazu der churrheinische, obersächsische, 
burgundische und österreichische Kreis. Jeder Kreis hatte seine 
Direktoren und Räte und sorgte für die Aufrechterhaltung des 
Friedens innerhalb seiner Grenzen. Unsere Landschaft gehörte 
zum schwäbischen Kreise; Kreisdirektoren waren der Fürst 
bischof von Konstanz und der Herzog von Württemberg. Diese 
und andere Anordnungen bewiesen, daß die Überzeugung 
allgemein war, man könne bei der alten Reichseinteilung nicht 
stehen bleiben, sondern müsse, soll das Reich in seinem Be 
stände, in Ehre und Ansehen erhalten bleiben, vorwärts schrei 
ten. Aber die Glieder des Reiches hatten ihre eigene Herrlich 
keit und Gewalt fühlen gelernt; sie wollten nichts davon zum
        

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