Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/316/
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Leute, wovon man nur Spott habe; die Hauptleute sollen bei 
ihrem Kriegsvolk alle Gotteslästerung, das Zutrinken, die 
Schmähung der Kirchen und Frauenbild, auch andere Un 
ziemlichkeit verhüten und abtun. Damit Gott der Allmächtige 
dem Bund und seinen Verwandten Gnade und Sieg verleihe, 
soll in allen Pfarrkirchen des Bundes, so lange der Krieg 
währe, wöchentlich ein Kreuzgang um die Kirche gehalten 
und täglich während der Wandlung bei Aufhebung der hl. 
Hostie eine Glocke geläutet und von jedem Menschen fünf 
Vater unser und Ave Maria samt der Glaube kniend ge 
betet werden." 
Die Eidgenossen rückten wieder zahlreich in unsere Ge 
gend, lagerten in Balzers, Vaduz und Schaan; es war in 
den Osterfeiertagen. Die Bünde übernahmen die Bezwingung 
von Gutenberg; am 10. April lagerten sie sich vor dieser Feste. 
Sie hatten eine Hauptbüchse, welche „einen Stein so groß wie 
ein Hut" schleuderte, und mehrere Schlangenbüchsen, welche 
ihnen Jakob Trwulzio, Graf von Misox, nebst einem Büchsen 
meister geschickt hatte, der aus Frankreich gebürtig war. Die 
Büchsen wurden bei Mäls aufgestellt; als man aber mit der 
großen Büchse etliche Schüsse getan hatte, zerbrach sie in viele 
Stücke. Da konnte man die Feste nur mit den Schlangenbüch 
sen beschießen, welche den Mauern keinen Schaden taten und 
darum vorzüglich gegen das Dacb und Holzwerk gerichtet 
waren. Die in der Feste wuschen die Spuren dieser Schüsse 
mit Besen und Ofenwischen ab, den Belagerern zum Spott. 
Weil man mit den Büchsen wenig ausrichten konnte, fing man 
an, die Feste „nieder zu graben"; aber das war unmöglich, 
denn der Felsen, auf welchem sie stand, war zu fest. Es lagen 
bei 4000 Bündner und Eidgenossen vor der Feste und der 
Anschlag ging dahin, dieselbe zu plagen und zu verhüten, daß 
man sie mit Lebensmitteln versah. „Aber Ulrich von Ramschwag 
ließ sich durch dies alles nicht schrecken, hielt fest und bewahrte 
sich vor Ungemach." Die Hauptleute und Räte des schwäbischen 
Bundes hatten Kenntnis erhalten von den Vorgängen in die 
sen oberen Gegenden; sie mahnten die Städte am 13. April, 
unverzüglich mit der fehlenden Mannschaft aufzubrechen, da 
die Eidgenossen mit dem grauen Bunde, 8000 Mann stark, 
über den Rhein oberhalb Feldkirch gekommen. Auch Hans 
Ungelter schrieb nach Eßlingen am 14. April: „Vor Guten 
berg liegen 4000 Schweizer und überhaupt sind in jener Ge 
gend 7000 Mann." Aber nicht wegen Gutenberg waren die 
Schweizer so zahlreich in unsere Gegend gerückt: es galt dem 
Walgau, der von ihnen abgefallen war; denn Gutenberg mußte
        

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