Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/25/
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4. Das Christentum in Rätien. 
So war der Bau des weströmischen Reiches eingestürzt. 
Auf seinen Trümmern siedelten sich die Deutschen an. Schreck 
lich war die Verwirrung, unbeschreiblich waren die Leiden, bis 
eine neue Ordnung sich gestaltete. Viele glaubten damals, 
daß das Ende der Welt unfehlbar vor der Türe stehe. 
Nur eines stand fest, während alles wankte und zu 
sammen brach, es war der Bau und die heilige Ordnung der 
christlichen Kirche. Sie zähmte die wilden Deutschen und schuf 
die Welt neu. Sie war es auch, welche den Rätiern die von 
den Römern empfangene Bildung bewahrte. 
Der Verbindung mit Italien hatte es Rätien zu verdan 
ken, daß das Christentum frühzeitig Eingang in seinen Tä 
lern fand. Einer frommen Ueberlieferung zufolge war es der 
hl. Petrus selbst, der durch seine Missionäre den ersten Samen 
des Christentums in Rätien ausbreitete, weshalb die ältesten 
Kirchen des Landes diesem hl. Apostel geweiht wurden, so die 
in Mäls, Schaan, Mauren, Rankweil und manche in Bünden. 
Auch christliche Soldaten und Kaufleute halfen mit. So lange 
es ihnen nicht durch die Verfolgungserlasse der heidnischen 
Kaiser verboten war, und im Geheimen auch nachher wirkten 
sie mit den eigentlichen Glaubenspredigern in den ersten Jahr 
hunderten am meisten für die Verbreitung des Evangeliums; 
denn im römischen Heere befanden sich schon frühe sehr viele 
Christen. Und römische Kaufleute durchzogen selbst die ent 
ferntesten Provinzen und in den traulichen Herbergen erzähl 
ten sie den Leuten vom christlichen Glauben. Auch werden sich 
in den Zeiten blutiger Verfolgungen wohl manche Christen in 
die stillen rätischen Berge geflüchtet haben. So mußte der 
Kriegsoberste von Rätien, Atalikus mit Namen, all seinen 
Eifer aufwenden, um dem Überhandnehmen des Christentums 
Schranken zu setzen. 
J Unter den ältesten Glaubensboten wird der hl. L u z i u s 
/als Stifter der Kirche zu Chur verehrt. Er war ein Fürst in 
England (Britannien). Damals waren viele römische Sol 
daten in England stationiert. Luzius wurde durch einen Mis- 
/sionär aus Rom zum Christentum bekehrt. Derselbe hieß 
Timotheus. Seine Mutter war eine Engländerin. Derselben 
Familie gehörte auch jene Luzina an, deren Gemahl über 
England triumphierte. Luzius zog den Beruf eines Glaubens 
boten dem eines Königs vor und begab sich auf das Festland 
in die Länder der Heiden. Er kam nach Augsburg, der Haupt 
stadt der Vindelizier und von dort über Bregenz und die
        

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