Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/245/
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wohlwollender Weise von Prälaten und Laien, vom König 
Sigismund selbst zum Nachgeben ermahnt worden war. Um 
seine Flucht zu verhindern, wurde er in Gewahrsam gehalten 
und als alle Geduld erschöpft war, wurde er zur Degradation 
und Auslieferung an den weltlichen Arm verurteilt. Das 
deutsche Strafgesetzbuch schrieb für einen unbeugsamen Ketzer 
die Feuerstrafe vor. Darum sprach der König zum Pfalzgrafen: 
„Weil wir das weltliche Schwert führen, das Übel zu strafen, 
so nehmet hin diesen Johann Hus und tuet ihm als einem 
Ketzer." Er erlitt nun den Feuertod, mit ihm auch sein Kämpft 
genösse Hieronymus von Prag. Aber mit dem Scheiterhaufen 
von Konstanz war die Rebellion in Böhmen nicht verraucht; 
dort brach vielmehr jetzt erst der Bürgerkrieg in hellen Flam 
men aus. Die fanatisierten Scharen der Böhmen schlugen 
manche Heere in blutigen Schlachten, die der König und seine 
Helfer gegen sie gestellt hatten. Tausende von verbrannten 
Dörfern, Städten, Schlössern und Kirchen bedeckten das un 
glückliche Böhmen, aber auch in die anderen umliegenden Län 
der trugen die Husiten mit Feuer und Schwert ihre Irrlehren, 
und das Elend, das Hus angerichtet hatte, war unbeschreiblich. 
Erst den Abgesandten des Konzils von Basel und den uner 
müdlichen Bemühungen des Kaisers Sigismund gelang es 
20 Jahre nachher eine Verständigung der Böhmen mit der 
katholischen Kirche herbeizuführen (1436). 
8. Zustand der Landschaften Vaduz und Schellenberg. 
Wie aus der Gesamtlandschast von Unterrätien sich Va 
duz und Schellenberg zu selbständigen Herrschaften heraus 
gebildet haben, ist in den vorangehenden Blättern beschrieben 
worden, ebenso, daß das Geschlecht der Grafen von Montfort 
über ganz Unterrätien mit Ausnahme dessen, was einige 
Landherren und Gotteshäuser besaßen, einst geboten, sich aber 
durch Familienzwiste, fortgesetzte Teilungen und Zersplitterun 
gen in viele Linien gerade zu der Zeit geschwächt habe, als das 
habsburgische Haus zur Macht gelangte, Tirol erwarb und 
auch diesseits des Arlberges festen Fuß zu fassen begann. 
Nichts half dem Grafen Hartmann IV. der Eifer für die Auf 
rechterhaltung der Ehre und Macht seines Stammes, nichts 
seine Tapferkeit und sein ritterlicher Sinn, nichts die Einsicht 
in die Ursachen, die den Untergang seines Geschlechtes herbei 
führten. Noch ehe sein stets unruhiges, in Fehden ergrautes 
Haupt sich ins Grab senkte, war sein ganzes väterliches Erbgut
        

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