Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/199/
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Verrichtungen bei diesem Attentate vorzunehmen, stürzte auf 
dem Wege nach Meran vom Pferde und blieb tot. König Lud 
wig hatte sich in frecher Weise über die Gesetze der Kirche 
hinweggesetzt. An eine Versöhnung mit dem Oberhaupte der 
Kirche war daher nicht mehr zu denken. Eigenmächtig ließ 
Ludwig durch ein förmliches Gericht die Scheidung der Ehe 
mit dem Prinzen von Böhmen aussprechen und trotz des Hin 
dernisses der Blutsverwandtschaft die neue Vermählung feiern. 
Ueberdies belehnte er seinen Sohn Ludwig nicht bloß mit 
Tirol, sondern auch mit Kärnten. Auf solche Weise verletzte 
der König die Kirche, welche allein über Gültigkeit von Ehen 
zu entscheiden hat; er verletzte die Böhmen und die Herzoge 
von Oesterreich, die ein Recht auf Kärnten hatten. Böhmen 
und Oesterreich vereinigten sich nun gegen den König. Sie 
suchten Helfer und wandten sich auch an die Grafen Hartmann 
zu Vaduz und Rudolf von Feldkirch, und sie versprachen 
ihnen, mit 24 Helmen und 200 Mann zu Fuß zu helfen. Doch 
unterblieb der Zug. 
Jene Ehescheidung aber und das voreilige Haschen nach 
Tirol brachte dem König keine guten Früchte. Papst Kle 
mens VI., der Nachfolger Benedikts XII., lud ihn zur per 
sönlichen Unterwerfung nach Avignon und dachte bereits 
daran, ihm einen Gegenkönig zu erwecken. Ludwig schickte 
zwar eine Unterwerfungsschrist nach Avignon, aber sie ge 
nügte dem Papste nicht. Derselbe belegte den Ludwig von 
Brandenburg und seine vorgebliche Gemahlin Margaretha mit 
dem Banne und die Grafschaft Tirol mit dem Interdikt. Im 
Dintschgau hörte jeglicher Gottesdienst auf; auch der König 
blieb mit den kirchlichen Zensuren belastet. Infolge dieser 
Vorgänge verlor er in den weitesten Kreisen sein Ansehen 
und sank immer mehr zu einem Schattenkönig herab. Die 
Fürsten wurden überdies durch die Vermehrung seiner Haus 
macht mißgestimmt. Der Papst mahnte nun zur Wahl eines an 
dern Königs und die Mehrzahl der Kurfürsten entsprach die 
sem Wunsche. Im Juli 1346 wählten sie den Sohn des Kö 
nigs von Böhmen, Karl IV., zum König von Deutschland. 
König Ludwig rüstete zum Kriege, starb aber schon im fol 
genden Jahre plötzlich auf der Bärenjagd. 
Der Bischof Ulrich von Chur war unentwegt auf der 
päpstlichen Seite gestanden. Er hatte auch persönliche Gründe, 
den Baiern feindlich gesinnt zu sein, denn der neue Graf von 
Tirol gefährdete auch die Besitzungen des Bistums. Daher 
verband sich der Bischof mit dem Herzog Albrecht von Oester 
reich und mit dem neuen König Karl IV. AIs er aber mit
        

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