Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/194/
200 
lichen Landvogtei befreit. Sehr oft waren sie selbst Schieds 
richter in Streitigkeiten. 
Der berühmteste Vertreter dieser Linie war Ritter Ulrich 
geb. 1478 gest. 1558. Er war ein Gelehrter, Doktor juris und 
ein Held im Kriege. Alle Feldzüge des Kaisers Maximilian 
machte er mit und eroberte an der Spitze von 6000 Schwei 
zern das Herzogtum Mailand. In der Schlacht bei Vicenza 
aber brach er mitten im Schlachtgetümmel von 36 Wunden 
bedeckt zusammen; nach der Schlacht halbtot aufgelesen, er 
holte er sich wieder und wurde zum zweitenmal zum Ritter 
geschlagen. Abermals unter Kaiser Karl V. führte er 14.000 
Schweizer über die Alpen und eroberte Mailand zum zweiten- 
male. Er war in der Schlacht bei Pavia, wo der französische 
König gefangen wurde, und später bei der Belagerung der 
Stadt Wien, wo der Türke Soliman zum Abzug gezwungen 
wurde. Später war er österreichischer Vogt zu Feldkirch, als 
welcher er ohne Zweifel auch bisweilen einen Ausflug nach 
Schellenberg gemacht und die Stätte besucht haben mag, wo 
seine Ahnen 200 Jahre vor ihm gesessen hatten, die Ulrich 
und Marquard, die auch wie er Krieger und Richter waren. 
Bei seinem Einzuge in Feldkirch anno 1515 zog ihm die Bür 
gerschaft mit Kanonen und 200 Mann Soldaten entgegen und 
begleitete ihn auf die Schattenburg. Von 1531 bis 1549 war 
er wieder Vogt zu Feldkirch. Seine zwei Brüder bekleideten 
hohe Stellen in Baiern. Bon 1533 an ging es aber mit dem 
Vermögen dieser Familie abwärts. Es mußte ein Gut nach 
dem andern veräußert werden. Die Hauptschuld lag darin, weil 
ihnen im Bauernkriege die aufrührerischen Bauern und 100 
Jahre später im 30jährigen Kriege die Schweden soviel Scha 
den anrichteten, daß die Familie in Armut geriet. Dagegen 
blieben alle Herren von Schellenberg in den Wirren der Re 
formation dem alten Glauben treu, wie auch ihre Untertanen. 
Im Jahre 1636 wurden die von Schellenberg durch Kaiser 
Ferdinand in den Freiherrenstand erhoben, was aber ihre fi 
nanzielle Lage nur verschlechterte. Freiherr Johann Friedrich 
von Schellenberg war Edelknabe am kaiserlichen Hof, zog dann 
als Offizier im fürstenbergischen Regiment gegen die Rebellen 
nach Ungarn und an den Rhein, trat dann in den geistlichen 
Stand ein und wurde Domherr zu Mainz. Er schrieb schöne 
Erbauungsbücher, die Zeugen seiner tiefen Frömmigkeit sind, 
und starb zu Bregenz im Jahre 1704. Sein Bruder Franz war 
noch der einzige Stammhalter. Er war der Führer der schwä 
bischen Ritterschaft und großer Wohltäter seiner Untertanen. 
Auch er starb in Bregenz 1708. Seine Erbtochter Maria Anna
        

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