Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/170/
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Dichter Eberhard und Heinrich dichteten manch schönes Lied. 
Heinrich von Feldkirch, aus einem angesehenen Geschlechte, 
das dem Stifte Chur mehrere Domherren lieferte, sang gar 
liebliche Lieder. Eines (es kann zugleich als Sprachprobe jener 
Zeit dienen) beginnt: 
Sit die Sunne ir lichten schin 
zu der kalten hat geneiget 
und die vogellin 
ir sanges sind geschweiget, 
truric ist das herze min 
man es nu wil Winter sin. 
An den bluomen, die man sitzt. 
ir lihter varbe 
erbleichet garbe, 
davon wir geschiht 
leit und liebes nit. 
Heinrich von Sax besingt den Frühling so: 
Der daß (Lärm) wird groß, 
da wir zuo einander kamen 
under der linden von linden 
vil wol gemuet. 
Die schar vil gar 
da sint, das hab ich vernomen 
ir fröhlich singen, ir springen 
vil sanfte tuot. 
Fröude unt fröudenreich gemüete 
süln wir disen sumer han: 
Heide und anger, schone in blüete 
da stent bluomen wol getan. 
Uf der Heide und in dem walde 
singen kleinin vogellin 
stieße stimme manikfalde 
des süln wir in fröude sin. 
Andere Sänger, wie Walter von der Bogelweide, gaben 
den Eindruck wieder, welchen die Zeitbegebenheiten auf sie 
machten. 
Da das Herzogtum Schwaben erlosch und der Bischof 
von Chur die Schirm- und Reichsvogtei an sich löste, blieben 
dem Reiche wenige Rechte mehr in Oberrätien oder im Gottes 
hausgebiet. Doch hatte das Engadin nicht zum Herzogtum 
Schwaben gehört. Das Land an der Etsch, die Grafschaft 
Tirol bis Pontalt gehörten zu Italien nach einer Urkunde 
des Bischofs Konrad III. von 1282. Dagegen wurde die 
Grafschaft Kläven zu Schwaben gerechnet. Die Gotteshaus- 
leute, deren Rechte und Dienste geregelt waren, erfreuten sich 
eines besseren Loses als die der weltlichen Herren. Ähnliche 
Rechte hatten die Gotteshausleute von Disentis. Zur Wah 
rung dieser Rechte traten diese später in Bündnisse zusammen; 
diese wurden die Wiege der rätischen Freiheit. 
Bon dem alten Gaugericht blieb noch eine Spur zurück 
in dem Landgericht zu Rankweil. Es war vorzüglich bestimmt, 
die Rechtskenntnis lebendig zu erhalten und fortzupflanzen. 
Unter den Städten in Unterrätien erhob sich Feldkirch zu be 
deutendem Ansehen. Es erhielt die Rechte der Stadt Lindau; 
die Bürger wurden von der Leibeigenschaft gelediget; es übte 
innerhalb seines Weichbildes eigene Gerichtsbarkeit, hatte 
Ammann und Rat. Die Stadt kam zu hoher Blüte und es 
entwickelte sich ein kräftiger, freier Bürgersinn.
        

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