Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/15/
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und Drusus übertragen. Jener mußte vom Bodensee her, 
dieser von Trient aus durch das Vintschgau vordringen. Sieg 
reich stritt Drusus, nahm und brach eine Burg, ein Bollwerk 
der Rätter nach dem anderen trotz ihrer verzweifelten Gegen 
wehr. Bald stand er im Tale des Inn, und von da überschritt 
er mehr als ein Gebirge (der Feldzug geschah im Sommer, 
wo die Alpenpässe offen sind) und stieg in das Illtal herab, 
während fein Bruder die Vindelizier schlug und vom Boden 
see heranrückte. Der vereinigten Macht beider Brüder erlagen 
die Rätter nach heldenmütigem Kampfe. Die Weiber, welche 
zur letzten Entscheidung den Männern gefolgt waren, um sie 
durch ihre Gegenwart noch mehr zu entflammen, sollen ver 
zweifelnd ihre Säuglinge den Feinden ins Gesicht geschleudert 
haben, als sie alles verloren sahen. Der römische Dichter selbst, 
der diesen Krieg besang, pries „der Rätter Heldenseelen, die 
sich dem Tod für die Freiheit weihten". Das Tal, in dem 
Drusus nach Ueberwindung der Alpenpässe seine Legionen 
sammelte, bekam den Namen Drusustal (Ballis Drusiana) und 
behielt ihn viele Jahrhunderte, bis er mit dem deutschen Na 
men Walgau vertauscht wurde. Die Hauptschlacht soll in der 
Gegend von Götzis stattgefunden haben. Aber die verschie 
denen Abteilungen des siegreichen Heeres drangen in alle 
Täler ein und unterwarfen die einzelnen Völkerschaften in 
kurzer Zeit. Auch in Schaan sind Helme von einer zum Heere 
des Drusus gehörenden Legion gesunden worden und soll dort 
ein römisches Lager gewesen sein. 15 Jahre v. Chr. verloren 
so die Rätter ihre Freiheit und kamen unter die Herrschaft 
der Römer. 
Nach einer alten Sage wäre an der Stelle von Triefen 
einst eine Stadt gestanden, die durch einen Bergsturz ver 
schüttet worden sei. Funde aus römischer Zeit sind dort ge 
macht worden und das Terrain läßt eine einstige Abrutschung 
des Geländes erkennen. Es ist bekannt, daß solche Sagen 
meistens einen geschichtlichen Boden haben. 
Die römischen Geographen zählten von Bregenz an rhein- 
uufwärts fünf Städte auf, nämlich Brigantium, Vikus, Ebo- 
durum, Drusomagus und Oktodurum. Dieser letzte Name 
bedeutet „Achttürme", also einen mit acht Türmen befestigten 
Platz. Nun wurden in Schaan vor Jahren die Grundmauern 
eines umfangreichen Kastells, das von acht Türmen flankiert 
war, ausgegraben. Somit dürste dort das römische Okto 
durum gewesen sein.
        

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