Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/148/
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bedenken werde. Unzufriedene unter den Klosterherren, denen 
die strenge Zucht und Beschränkung des Einkommens nicht 
willkommen waren, klagten beim Könige Uber den Abt und er 
lieh den Klägern Gehör und übertrug einem päpstlichen Le 
gaten, der sich gerade an seinem Hoflager befand, die Unter 
suchung gegen den Abt. Zugleich ließ er an der Grenze der 
Besitzungen des Klosters Schloß und Städtchen Schwarzenbach 
erbauen und lockte die Dienstleute des Abtes unter Verleihung 
von Burglehen und anderen Freiheiten dahin. Weil die 
Klosterherren vorzüglich über die Abwesenheit des Abtes von 
seinem Stifte geklagt hatten, und daß er die gottesdienstlichen 
Handlungen, die ihm oblägen, vernachlässige, befahl ihm der 
König die Rückkehr ins Kloster und ersuchte den päpstlichen 
Legaten, die Streitsache zu untersuchen. Infolge davon wurde 
der Abt in der Verwaltung der Abtei eingestellt. Dieser begab 
sich nach Wil und zog alle seine Getreuen an sich, unter denen 
sich besonders Heinrich von Grießenberg auszeichnete, der mit 
Adelheid von Montsort, einer Nichte des Abtes, vermählt war. 
Die von Schwarzenbach trieben denen von Wil alles Vieh 
weg, das sie auf der Weide hatten, und verwundeten die Hir 
ten. Zur Vergeltung rückte Abt Wilhelm vor Schwarzenbach, 
eroberte und verbrannte das Städtchen, und führte übergelau 
fene Untertanen nach Wil zurück. Diese Tat regte alle An 
hänger Habsburgs gegen den Abt auf; sie rüsteten und er 
schienen vor Wil, um diesem Platze das Schicksal von Schwar 
zenbach zu bereiten. Abt Wilhelm schlug den Sturm ab und 
tötete den Gegnern viel Volk. Da erschien der Herzog Rudolf, 
des Königs Sohn, selber vor Wil, zog das Volk des Grafen 
Friedrich von Toggenburg, des Hartmann von Baldegg und 
anderer Edlen an sich. Aber auch diesmal erlagen die Stür 
menden der Tapferkeit des Abtes Wichelm; er trieb sie mit 
blutigen Köpfen zurück, ließ jedoch dem Herzog melden, er 
wünsche sich mit dem König auszusöhnen. Ein Waffenstill 
stand wurde beschlossen und der Abt reiste an das Hoflager 
des Königs. Damals hatten mehrere Grafen in Schwaben, an 
deren Spitze Graf Eberhard von Württemberg stand, die Waf 
fen gegen den König ergriffen, weil dieser die Güter, die 
früher zum Herzogtum Schwaben gehört hatten, aber in der 
kaiserlosen Zeit von den Landherren in Besitz genommen wa 
ren, wieder zurück verlangte. Ulrich von Montfort-Bregenz 
und Hugo von Montfort-Tettnang hielten ebenfalls zu den 
schwäbischen Grafen, mußten sich aber unterwerfen. König 
Rudolf befand sich gerade vor der Burg Herwartstein, in welche 
sich Graf Ulrich von Helfenstein geworfen hatte, als Abt Wil-
        

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