Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/14/
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finden sich häufig. Die Rätier verstanden also die Bearbei 
tung des Tons und später auch die der Bronze. Man fand 
reich verzierte Ton- und Bronzegefäße in den rätischen Grä 
bern in Tirol. Die Inschristen sind dem griechischen Alphabet 
nachgebildet. 
Die Rätier verehrten verschiedene Gottheiten, darunter 
auch den „Butz" als gefürchteten, neckischen Halbgott. Sie 
hatten Wahrsager, welche sie auf ihren Kriegs- und Raub 
zügen begleiteten, die Opfer darbrachten und die Natur (Vogel 
flug u. dgl.) zu erforschen hatten. Aus Wahrsagerei und 
Aberglauben wird ihre Religion hauptsächlich bestanden haben. 
Auch wird das Volk den Naturdienst geübt haben, indem sie 
an Quellen und in Eichenwäldern besondere Gottheiten ver 
ehrten. 
Ihre Sprache war rauh, und die Römer konnten die 
rätischen Worte kaum aussprechen. 
Im übrigen waren sie sehr kriegerisch und ließen ihren 
Nachbarn wenig Ruhe. So zogen sie etwa um das Jahr 89 
v. Chr. vor Lomo in Italien, nahmen den Ort ein, plünderten 
und zerstörten ihn und machten die männliche Bevölkerung 
nieder, das Kind im Mutterleibe nicht verschonend, wenn die 
Wahrsager verkündeten, es werde ein Knäblein zur Welt 
kommen. Später fielen sie in das Land der „friedfertigen und 
goldreichen" Helvetier, wie der Grieche Strabo sie nennt, und 
streiften bis in das Land der Rauracher im Gebiete von Basel. 
Der Feldherr Munatius Plankus besiegte sie (36 v. Ehr.) zwar, 
schrieb aber nach Rom, in diesem Volke liege eine große Kraft, 
die für die Zukunft gefährlich werden könne. Man glaubt, 
daß infolge solcher Besorgnisse die Pflanzstadt Augst bei Basel 
(Augusta Raurakorum) angelegt worden sei. Helvetien bis an 
den Zürchersee gehörte seit dem Jahre 58 v. Chr. schon zum 
römischen Reiche. 
Run beschloß Kaiser Augustus auch Rätien seinem Reiche 
einzuverleiben. Die wiederholten Raubeinfälle der Rätier in 
römisches Gebiet und die Feindseligkeiten, mit der sie die ihr 
Land durchziehenden römischen Bürger behandelten, gaben den 
Römern den willkommenen Anlaß dazu. Hätten sie aber auch 
diesen Anlaß nicht gehabt, so würden die Römer einen an 
deren gefunden haben, denn die Eroberung der gesamten 
Donaulande war seit der Eroberung Galliens (Frankreichs) 
eine politische Notwendigkeit geworden. Damit war aber auch 
das Los der Alpenvölker besiegelt. Die Reihe sollte also nun 
an die Rätier kommen. Zwei auserlesene Heere wurden aus 
gerüstet und der Oberbefehl des Kaisers Stiefsöhnen Tiberius
        

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