Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/13/
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Kaiser, Geschichte Liechtensteins. 
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bau, der neben der Viehzucht ihre Hauptbeschäftigung bildete. 
Die Schaft und Schweinezucht stand ebenfalls in Blüte. Der 
Dreimonatweizen gedieh vortrefflich; es ist auc^ die älteste 
Art Weizen. „Im gallischen Rätien ist man auf die Erfindung 
verfallen, am Pfluge zwei kleine Räder anzubringen. Solch 
ein Pflug heißt Plumarati" (Plu — Pflug, Rati — Räder). 
So berichtet der römische Geschichtschreiber Plinius. Derselbe 
erzählt weiter von den Zugtieren, sie seien klein aber kräftig 
und werden an den Hörnern, nicht am Racken angejocht. Die 
Bienenzucht brachte deshalb wertvollen Ertrag, weil der Ho 
nig sehr geschätzt war in einer Zeit, da man den Zucker noch 
nicht kannte. Auch den Weinbau betrieben die Rätier in den 
günstigen Lagen. Plinius berichtet: „In den Alpen tut man 
den Wein in hölzerne runde Gefäße, die mit Reisen umgeben 
sind, und wenn ein kalter Winter einfällt, schützt man ihn durch 
Feuer vor dem Froste." Doch dürfte der Weinbau mehr im 
südlichen Rätien, am Südabhange der Alpen und im Etsch 
tale betrieben worden sein. 
Damals standen in Rätien viele Eichenwälder und die 
Eicheln waren ein beliebtes Nahrungsmittel für die Schweine. 
Beim Getreidemangel wurde aus Eichelmehl auch Brot ge 
backen. 
Das Rheintal war in der Ebene noch voller Sümpfe und 
bewaldet, daher nicht angebaut, wohl aber die Halden. Auch 
die Ortschaften lagen alle am Bergabhang und auf den Hö 
hen. Ihre Wohnungen errichteten die Rätier aus rohen 
Balken, deren Oeffnungen und Spalten mit Lehm und Moos 
ausgefüllt waren; aus rohen Schindeln bestand das Dach. Richt 
selten richteten sie auch Felsenhöhlen und vorspringende Felsen 
zu Wohnungen ein, wie die vielen Funde aus keltischer Zeit 
beweisen. 
Die Rätier waren gelehrig und kunstsinnig. Gleich an 
deren Völkern liebten es auch die ältesten Bewohner unseres 
Landes rohe Steine als Denkmale zur Erinnerung an wich 
tige Ereignisse zu setzen, oder um das Grab eines berühmten 
Führers zu verewigen. Sie verstanden auch aus Erz Waffen 
und dergleichen zu gießen. Für den hohen Kulturstand der 
rätischen Bevölkerung sprechen auch die mannigfaltigen, oft 
zierlichen Fundstücke der Gräberfelder in Tirol. Da der Tote 
mit seinem Festschmuck verbrannt wurde, bewahrte man diesen 
samt der Asche in einer Urne aus Ton auf. Reben der Urne 
finden sich allerlei Beigaben, wie Tongefäße, Becher, Messer, 
Handwerkszeugs u. dgl. Auch Schmuckgegenstände, z. B. Haar 
nadeln, Fibeln, zierliche Gewandnadeln, Glasperlen u. dgl.
        

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