Herausgeber:
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein
Erscheinungsjahr:
1923
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000009871/100/
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Faustrecht die Ehre ihres Standes zu finden meinten, sich einer 
Macht fügen mußten, die von oben stammte, aus dem ewigen 
Reich und den Frevler jenseits des Grabes noch ereilt. Die 
Kirchenbußen waren das Mittel, alle, welche der weltliche 
Arm nicht erreichte, im Zaun zu halten. Die Kirchengebote 
wurden strenge eingeschärft, besonders die Feier der Sonn- 
und Feiertage, welch letztere viel zahlreicher waren als jetzt, 
das Fastengebot und die Osterpflicht. 
Die meisten Bischöfe dieser Zeit waren in Klöstern ge 
bildet und selbst Mönche oder Äbte gewesen. So waren die 
Klöster Pflanzschulen zur Heranbildung frommer und gelehrter 
Bischöfe und Priester. Disentis und Pfäfers erfreuten sich der 
Gunst der sächsischen und salischen Kaiser. Doch als Oker, aus 
dem Geschlechte der Grafen von Rapperswil, Abt zu Disentis 
war und sich gegen den König Heinrich II. erklärte, wurde 
die Abtei dem Bischof von Brixen übergeben, aber unter 
Heinrich III. wieder von der Gewalt desselben befreit. 
Würdige Männer standen an der Spitze dieser Abtei, die 
nicht bloß im bündnerischen Oberland begütert war, sondern 
auch an den Ufern des Zürichsees und in der Lombardei. Wie 
Disentis in Oberrätien, so übte Pfäfers in Unterrätien seinen 
wohltätigen Einfluß aus. Seine Güter lagen zerstreut in allen 
Teilen Churrätiens; auch in Schwaben und in der Lombardei 
hatte es schöne Besitzungen. Diese Klöster waren mit anderen 
des gleichen Benediktinerordens von nah und fern verbrüdert. 
Der Reichtum aber, welchen die Klöster erwarben, übte früh 
zeitig seine verderbliche Wirkung auf dieselben aus, besonders 
wenn die Vorsteher ihre Stellung der Wahl weltlicher Herren 
verdankten, die nicht immer die würdigsten wählten. Deshalb 
entstanden bald strengere Orden, wie die Karthäuser, Eister- 
zienser und Prämonstratenser. Den lauten Klagen über den 
Verfall der Zucht in den Klöstern und bei der Geistlichkeit 
überhaupt, wovon man die Ursachen besonders in der Simonie 
(im Verkauf geistlicher Würden) und in den Ehen der Geist 
lichen sah, wurde durch die Anordnungen des Papstes Gre 
gor VII. und seiner Nachfolger begegnet. In dem langen, 
wechselvollen Kampfe um die Freiheit und Reinheit der Kirche 
sind diese Päpste endlich Sieger geblieben.
        

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