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26. September 1815 zu Paris die „Heilige Allianz" geschlossen 
wurde, erklärte der Fürst am 12. Oktober 1817 den Beitritt 
zu diesem Bündnisse. 
Durch Artikel 13 der deutschen Bundesakte war bestimmt 
worden, daß in jedem Bundesstaate eine l a n d st ä n d i s ch c V e r- 
fassung ins Leben zu treten habe. Dieser Bestimmung kam 
Fürst Johann nach, indem er am 9. November 1818 eine 
solche Verfassung gab. ') Schuppler hatte sie entworfen, sein 
Entwurf war aber in mehreren Punkten abgeändert worden. 
Nach der erwähnten Verfassung 1 2 ) bestand die Vertretung 
des Landes aus der Geistlichkeit und aus der Landmannschaft. 
Die Geistlichkeit hatte aus ihrer Mitte drei der Bestätigung 
des Oberamtes zu unterziehende Deputierte (zwei aus der 
ehemaligen Grafschaft Vaduz und einen aus der ehemaligen 
Freihcrrschast Schellenberg) zu wählen; nebstbei war jeder 
Besitzer einer geistlichen Pfründe, soweit er ein Vermögen von 
2500 fl. im Lande versteuerte, zur Teilnahme am Landtag 
berufen. Als Vertreter der Landmannschaft nahmen die Vor 
steher (Richter) und die Säckelmeister der Gemeinden am 
Landtage teil; überdies hatten auch alle übrigen mindestens 
30jährigen Untertanen, die für ihre Person an liegenden 
Gründen einen Steuersatz von 2000 fl. auswiesen sowie von 
unbescholtenem und uneigennützigem Rufe und von verträg 
licher Gemütsart waren, das Recht der Landstandschaft. 
Die Verfassung enthielt die singuläre Bestimmung, daß 
der Fürst für sich keine Zivilliste beansprucht, eine Bestim 
mung, die auch in die gegenwärtig geltende Verfassung vom 
26. September 1862 (§ 30) übergegangen ist. 3 ) 
1) Wir bringen zum besseren Verständnis nachstehender Darstellung 
im Anhange unter 0 einen Abdruck dieser Verfassung, welche auch bei 
Criste, S. 237 u. ffgd. abgedruckt ist. 
2 ) Kaiser, der von der verrotteten Landammannsinstitution ganz 
hypnotisiert ist, meint natürlich S. 510, daß die neue Verfassung den 
Bedürfnissen und Gewohnheiten des Landes weniger entsprach, als die 
früher bestandene; wir haben einen Teil jener „Bedürfnisse und Gewohn 
heiten'", die aus der Landammansverfassung herausgewachsen waren, 
bereits oben kennen gelernt. 
3) Statt es zu begrüßen, daß der Fürst aus freien Stücken aus 
eine Zivilliste verzichtete, fragt Kaiser S. 502, wie es möglich wäre, 
daß ein so kleines und armes Land dem Landesherrn nebst den Herr-
        

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