tagte das Gericht, in dem danebenliegenden Gebäude befand sich das 
Archiv der Herrschaft. Der Gerichtsplatz oder die Richtstätte war an 
der Grenze zwischen Eschen und Mauren, auf Güdigen, eingerichtet. 
Die letzte Hinrichtung auf diesem Platz fand 1785 statt, nachdem der 
Landammann den Stab über der Diebin Barbara Ernin, genannt die 
«Goldene Boos», gebrochen hatte. An Schaulustigen aus nah und 
fern scheint es damals nicht gemangelt zu haben, denn wie der 
Eschner Chronist Jakob Helbert schreibt, waren «viele Tausend 
Personen» dabei, als «ihr der Kopf ins Feld gehauen» wurde. 
* 
  
Trotz der frühen Besiedlung des Gemeindegebietes blieb Eschen bis 
vor kurzem ein kleines Dorf — und Nendeln ein kleiner Weiler am 
Fusse der Drei Schwestern. Die Kurve der Bevolkerungsentwicklung 
zeigte über Jahrhunderte hinweg einen nur geringen kontinuierlichen 
Anstieg und stieg erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg steil 
nach oben. Die Abstánde zwischen der Verdoppelung der Wohnbe- 
völkerung wurden zusehends kleiner. Nach einer Erhebung wohnten 
im Jahre 1584 nur 305 Personen in Eschen und Nendeln. Zu Beginn 
des 19. Jahrhunderts waren es 650 Einwohner und am Anfang 
unseres Jahrhunderts erst 750, während die Tausendergrenze mitten 
in der Kriegszeit erreicht wurde. 
| Seither hat sich die Bevölkerungszahl — 1980: 2594 Einwohner — 
nochmals mehr als verdoppelt. Der starke Bevôlkerungszuwachs in 
| der Nachkriegszeit ist jedoch nicht nur auf den natürlichen Gebur- 
| tenüberschuss, sondern auch auf eine starke Zuwanderung, vor- 
nehmlich ausländischer Arbeitskräfte, zurückzuführen. Nach einer 
im Frühjahr 1982 vorgelegten Statistik wies die Gemeinde Eschen 
einen Ausländerbestand von 818 Personen auf, was einem Anteil von 
8.7 Prozent aller im Fürstentum Liechtenstein wohnhaften Jahresauf- 
enthalter und Niedergelassenen entspricht. 
Die Änderung in der Bevölkerungsstruktur ist ein Ausdruck der 
starken wirtschaftlichen Umwälzungen in der Nachkriegszeit. 1941 
waren noch 43 Prozent der Erwerbstätigen in der Land- und Forst- 
wirtschaft beschäftigt, 41 Prozent in Industrie und Handwerk und 16 
Prozent im Dienstleistungssektor. Mit der stetigen Abnahme der 
Beschäftigten im primären Wirtschaftssektor — 1970 waren es noch 
lediglich 6 Prozent — steht eine kontinuierliche Auflösung der ehe- 
mals dominierenden landwirtschaftlichen Kleingehöfte in Verbin- 
dung, während gleichzeitig mit entsprechender Mechanisierung die 
grossflächige Bewirtschaftung des Bodens ihren Anfang nahm, und 
fand in jüngster Zeit mit dem Bau von grosszügigen Aussiedlungshö- 
fen inmitten des landwirtschaftlichen Gebietes eine besondere Aus- 
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