Blasmusik und 
Schule 
Einige Gedanken zum Thema 
von Prof. Dr.h.c. Paul Huber 
  
  
Der Autor 
Geboren am 17. Februar 1918 in 
Kirchberg (St. Gallen) 
1940: Matura im Kollegium Stans 
1940-1945: Musikstudium 
1947-1948: Studienaufenthalt bei 
Nadia Boulanger in Paris 
1949-1951: Musikdirektor in Wil 
Seit 1951: Musikprofessor an der 
Kantonsschule St. Gallen 
Preise und Ehrungen: 
1951: Preis der Ostschweizer Ra- 
diogesellschaft 
1966: Kompositionspreis des 
Eidg. Musikvereins 
1972: Ehrenmitglied des Schu- 
bertbundes Hagen/Deutschland 
1979: Ehrendoktorat der Univer- 
sitat Freiburg 
Der Komponist Paul Huber hat 
neben meisterhaften Werken 
geistlicher Chormusik, Kammer- 
musikwerken, Orgel- und Büh- 
nenmusik auch herrliche Blasmu- 
sikkompositionen geschaffen. 
Die Eschner Musikanten haben in 
den letzten Jahren mehrere seiner 
bekannten Blasmusikkompositio- 
nen aufgeführt, und anlässlich 
von fünf Wertungsspielen trat die 
Harmoniemusik mit Werken von 
Paul Huber vor die Wertungsrich- 
ter. Anlässlich des Wettkampfes 
zum Verbandsmusikfest 1975 in 
Eschen war Prof. Huber selbst 
Vorsitzender des dreikôpfigen 
Wertungsgremiums. 
Diesen Beitrag stellte Prof. Paul 
Huber eigens zum 100jährigen Ju- 
bilium der | Harmoniemusik 
Eschen zur Verfügung. 
  
  
  
  
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Das erste Instrument, mit dem ein Kind in Berührung kommt und 
auf dem es seine ersten musikalischen Versuche unternimmt, ist 
neben der Trommel, gewiss ein Blasinstrument. Es kann eine Kinder- 
Trompete aus Kunststoff mit ein oder zwei Tönen, eine Wasserpfeife 
oder eine Panflöte sein. Anspruchsvollere benützen schon eine Melo- 
dica oder eine Blockflöte. Hier aber beginnt das Kind schon mit einer 
Art «Schule» Bekanntschaft zu machen. Es kann nicht sich selber und 
seiner Flöte überlassen werden, sondern es muss in das Reich der 
Töne, des Rhythmus und der Melodie eingeführt werden. Von sich 
aus vermag es sich keine rechte Ordnung in dem ihm zur Verfügung 
stehenden Tonmaterial zu schaffen. Es bedarf der Führung und 
Anleitung. Die Schulung setzt ein. Diese wird aber behutsam sein 
und auf das Aufnahmevermögen des Kindes Rücksicht nehmen 
müssen. Wie schnell aber erschliesst sich dem Kind die Welt der 
Töne, wenn es auf seiner Blockflöte Ton an Ton reihen, Motive, 
Melodien und Rhythmen bilden und Lieder, die ihm bereits bekannt 
sind, nachspielen oder begleiten kann. Hier, in den ersten Schuljah- 
ren sollte auch schon das gemeinschaftliche Musizieren gepflegt 
werden, zuerst im kleinsten Kreise zu Hause, dann in grösseren 
Gruppen in der Schule. Das Zusammenspiel verlangt von jedem Kind 
die Einordnung, das Anpassen und Einfühlen, das Hinstreben zum 
gleichen Ziele. 
Zwar muss das Kind, der Schüler ganz allgemein, dies tagtäglich bis 
zum Überdruss tun, wenn er zur Schule geht und sich in den vielen 
Disziplinen abmüht. Diese Arbeit beansprucht aber hauptsächlich 
den Verstand, für die Entfaltung und Bildung des Gemütes bleibt 
wenig Raum. Hier muss die Musik in die Lücke springen. Sie vermag 
das Kind zu entspannen und aus der oft bedrohlichen Umklamme- 
rung von Zahlen, Rechnungskonstruktionen und grammatikalischen 
Nöten zu befreien. Gönnen wir doch unsern Kindern so oft als 
möglich dieses Ausbrechen aus diesen — wir wissen es ja alle! — leider 
unabwendbaren Notwendigkeiten. Die Schule ist aufgerufen, hier 
nachzuholen, was in allzu vielen Elternhäusern vernachlässigt wird, 
vielfach aus Zeitnot der Eltern oder aus Gleichgültigkeit der musi- 
schen Erziehung ihrer Kinder gegenüber oder gar aus blossen Spar- 
samkeitsgründen! 
Wenn die Schule in den ersten Jahren der Unterweisung die Kinder 
zum gemeinsamen Musizieren anleitet, so leistet sie einen unschätz- 
baren kulturellen Beitrag, indem sie den ersten Anstoss zu selbständi- 
gem oder gemeinschaftlichem Musizieren so vieler Kinder gibt. 
Von hier ist der Weg nicht weit zum Musizieren unserer Jugend in 
einem Jugendmusikkorps. Die Blockflöte ist mit der Querflöte, der 
Klarinette, der Trompete, dem Horn oder der Posaune, wenn nicht 
 
        

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