mildern, den Wahlkämpfen ihren Giftstachel zu nehmen...». Es 
betont, dass die einzige Lösung der Proporz, das Verhältniswahl- 
recht, sei. Der Proporz werde in erster Linie die verhältnismässige, 
gerechte Vertretung der Wählergruppen im Landtage gewährleisten, 
und er werde in zweiter Linie alle die vorerwähnten ungesunden 
Begleiterscheinungen des gegenwärtigen Wahlsystems beseitigen. Es 
sind dies Gedanken, die später immer wieder von der Volkspartei 
zur Begründung des Proporzsystems bei Landtagswahlen vorgetragen 
wurden. Das Initiativbegehren kam auch in der Konferenzzimmer- 
sitzung des Landtages vom 30. Dezember 1929 zur Sprache. Land- 
tagsprásident Pfarrer Anton Frommelt,?** iusserte sich gegenüber den 
Abgeordneten der Volkspartei skeptisch zu den Friedensbestrebun- 
gen, nachdem aus Kreisen der Volkspartei eine Proporzinitiative ein- 
gebracht worden sei. Er betrachtet die Initiative als einen Stórfaktor 
für die eingeleiteten Friedensbestrebungen unter den Parteien. Nach- 
dem der Landtag, entgegen den von den Abgeordneten der Volks- 
partei vorgetragenen Bedenken, die Initiativbegehren über Abánde- 
rung der Verfassung und über Abänderung des Gesetzes über die Aus- 
übung der politischen Volksrechte in Landesangelegenheiten in Be- 
handlung gezogen hatte, wurden sie am 2. März 1930 dem Volke 
zur Abstimmung vorgelegt. Beide Initiativbegehren wurden vom 
Volke abgelehnt. Am 3. März 1930 teilt die Regierung dem Land- 
^ Das Initiativbegehren unterschrieben die Initianten Rupert Quaderer, Schaan 
262, Max Beck, Triesenberg 227, Daniel Beck, Triesenberg 12, Emil Risch, 
Triesen 166, Josef Frick, Mils 107, Felix Biichel, Gamprin, Josef Heeb, Ruggell 
42, Wilhelm Marxer, Eschen 126, Johann Georg Hasler, Eschen 76/74, R. Matt, 
Mauren 100, Arnold Ritter, Mauren 99, Carl Walser, Schaan 237. 
35 LRA Landtagsprotokolle 1929. 
%a Anton Frommelt 
1895 bis 1975. 1919 wurde er zum Prieser geweiht. Zuerst wirkte er zwei Jahre 
als Professor in Schwyz. 1922 trat er die Pfarrstelle in Triesen an. 1928 wurde 
er in den Landtag gewählt, den er als Landtagspräsident bis 1945 präsidierte. 
Von 1933 bis 1945 leitete er als Regierungschef-Stellvertreter die Ressorts Schul-, 
Bau- und Postwesen. Von 1929 bis 1946 war er Schulkommissär. Felix Marxer 
umschreibt seine Verdienste als Politiker und Staatsmann in Jb 1975 wie folgt: 
«Als Politiker und Staatsmann hat er die Landesgeschichte entscheidend mitge- 
staltet und ist in den Jahren, in denen es um Sein oder Nichtsein unseres Staates 
ging, jederzeit unerschrocken und kompromisslos für seine Überzeugung einge- 
standen.» In den Jahren von 1928 bis 1945 prägte er in entscheidendem Masse 
die Politik der Bürgerpartei. 
9 Das Initiativbegehren betreffend Einführung des Proporzwahlrechts in Landes- 
angelegenheiten wurde im Oberland mit 773 gegen 571 Stimmen und im Unter- 
land mit 467 gegen 232 Stimmen abgelehnt. Insgesamt stimmten 803 Stimm- 
bürger für die Initiative, 1240 gegen die Initiative. Die Abstimmung über die 
nötige Abänderung der Verfassung ergab im Oberland: 573 Stimmen für und 
773 Stimmen gegen die Abinderung, im Unterland: 467 Stimmen für und 232 
Stimmen gegen die Abánderung (vgl. LRA Reg. 1930 Z 1014). 
71
        

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