Verfassung stattfinden.» (Art. 13) Es ist also weder bestimmt, wann 
die Verfassung eingeführt werden soll, noch welche Grundsätze. in 
der Verfassung verankert sein sollen. Hugo Hantsch bezeichnet diese 
Bestimmung als den «letzten kläglichen Rest der grossen Verspre- 
chungen von konstitutioneller Freiheit, die man dem Volk einst ge- 
macht hatte, als man an seine Treue und Opferbereitschaft appel- 
lierte». (Hantsch, 281) 
Die Hofkanzlei des Fürsten schrieb denn auch: «Es bleibt mithin 
jedem Souverainen überlassen eine Verfassung zu geben wie ihm be- 
liebt.» Johann I. führte die Verfassung auch nicht ein, weil er etwa 
von seinen Untertanen dazu gebracht worden wäre, ıhm ging es 
lediglich darum, den Art. 13 der Bundesakte zu erfüllen. Grundsatz 
für den Fürsten für einen solchen Vorgang war das sog. «monar- 
chische Prinzip», welches besagt, dass der Monarch alle Gewalt und 
Macht in sich vereinigte. So liessen z. B. die süddeutschen Verfassun- 
gen «die Volksvertretung nicht als Repräsentantin des Staates, son- 
dern nur des Volks gegenüber dem Monarchen gelten». (Schnabel, III, 
133) Dieser Grundsatz kann auch auf die liechtensteinischen Verhält- 
nisse übertragen werden. Es galt kein Nebeneinander von zwei gleich- 
wertigen Staatsgewalten, sondern ein Übereinander von zwei an ihrer 
Macht gemessen ungleichen Institutionen. Während der Fürst alle 
Macht in sich vereinigte und fast unumschränkt befehlen konnte, war 
es dem Landtag nur möglich, Vorschläge für das Allgemeinwohl ein- 
zubringen, die aber der Monarch keineswegs zu erfüllen brauchte. 
Durch die Einführung der landständischen Verfassung hatte also 
Liechtenstein in dem Sinne keine rechtsstaatliche Volksvertretung, 
als eine Mitwirkung bei der Gesetzgebung und eine Kontrolle über 
die Staatsverwaltung nicht in ihren Kompetenzen lag. Die liechten- 
steinische landstándische Verfassung basierte nicht auf einem Vertrag 
zwischen Fürst und Volk, sie war eine «oktroyierte Verfassung, die 
der Landesherr aus hóchster Machtvollkommenheit erliess... Der 
Lehre vom monarchischen Prinzip ... galt der Erlass der Verfassung 
gerade als ein Akt hóchster monarchischer Vollkommenheit, die nicht 
durch eine Verfassungsvereinbarung geschmálert werden durfte». 
(Schnabel, III, 138) 
Das Parlament war also von der landstindischen Verfassung her 
stark in die Defensive gedringt und in der Praxis der staatspolitischen 
Entscheidungen lediglich Empfinger der fiirstlichen Anweisungen 
und Forderungen. 
71
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.