den Feldkircher Bildhauer in ein helleres Licht zu stellen. Ein 
Hauptwerk Kerns, der Hochaltar in der alten Pfarrkirche von 
Eschen, wurde nach Deutschland verkauft. Einige Putti und eine 
Figur im Pfarrhaus in Eschen sind die letzten Zeugen der alten 
Herrlichkeit. — In Triesen dagegen blieb ein beachtlicher Bestand 
vom plastischen Werk Kerns erhalten, wovon das Landesmuseum 
in Vaduz drei Figuren ausstellt: die Rosenkranzmadonna ist eine 
Plastik von klassischem Ebenmaß und reifer Ausgeglichenheit 
(um 1640); in diesem Werk sind formale Einsichten der Renais- 
sance und damit griechisches Erbe in einem eigenständigen, ge- 
nuin barocken Kunstwerk vereinigt. — Zur erwähnten Figur 
gehören die beiden knieenden Heiligen: Dominikus und Katha- 
rina von Siena. Sie knieten ehedem in einer zentralen Kompo- 
sition im Retabel, während Maria, in der Mitte stehend, ihnen 
den Rosenkranz verlieh. (Wir finden dieselbe und nahezu gleich- 
altrige Darstellung im nördlichen Seitenaltarbild in der Marien- 
kapelle in Triesen.) — Zwei erschreckt aufblickende kleine Hir- 
ten (Seite 87), die wohl zu einer Krippe gehörten, entstammen 
ebenfalls der Werkstatt Kerns. — Weitere Werke des Meisters 
stehen in Triesen, Vaduz und Bendern. — Kerns Schüler, der 
Feldkircher Ignaz Josef Bin (1659— 1697), ist auf liechtensteini- 
schem Gebiet mit dem Altar in der abgebrochenen Kapelle des 
hl. Sebastian und des hl. Rochus in Nendeln vertreten. Der 
Altaraufbau ist im Landesmuseum magaziniert, während die 
Zentralfigur, Maria mit dem Kind (1686), im Hauptsaal des 
Museums aufgestellt wurde. Bins Figuren haben die Ausgewo- 
genheit und elementare Statuarik der Plastiken Kerns verloren 
und streben einer bewegten Formgebung zu, wie das im fein- 
geriefelten Faltenwurf der grofien Madonna aus Nendeln wahr- 
nehmbar wird. Die Meisterschaft Kerns erreichte der jüngere Bin 
nicht, der auf tragische Weise beim Stadtbrand von Feldkirch 
im Jahre 1697 im ,Dicken Turm* ums Leben kam. — Die 
Madonna aus Schellenberg (um 1700) (Seite 88 und 89) zierte 
früher die Fassade eines Bauernhauses in Schellenberg, kam dann 
in die Sammlung Nigg und wurde spáter vom Landesmuseum er- 
worben. Sie ist ein Meisterstück des österreichischen Hochba- 
rocks; ihre genaue Herkunft ist unbekannt. Was beim Feldkircher 
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