Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
9
Erscheinungsjahr:
1981
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000002854/37/
\ 1. Abschnitt: Die Repräsentations-, Artikulations- und Kommunikationsfunktion L Die Repräsentarionsfunktion 1. Allgemeines Das Parlament ist das höchstentwickelte Repräsentationsorgan, das die abendländische und amerikanische politische Kultur und Gesell­ schaft hervorgebracht haben.57 Deshalb ist es auch vielen Gefährdun­ gen unterworfen. Es verdankt seine Stellung vor allem der Verbin­ dung von drei Elementen: dem Prinzip der Herrschaft (oder Mit­ herrschaft) des Volkes, dem Phänomen der Repräsentation und dem Bedürfnis nach Differenzierung und Begrenzung der Staatsgewalt.58 Das 
Prinzip der Volksherrschaft (Politie, heute Demokratie) geht auf griechische und römische Vorbilder zurück. Auch die Volksgemein­ schaften (civitates) der von den Rätern besiedelten Alpengebiete waren bereits in vorrÖmischer Zeit, mit starken Nachwirkungen durch die weiteren Jahrhunderte, demokratisch-genossenschaftlich aufge­ baut.59 Im 11. Jahrhundert leitet Manegold von Lautenbach die welt­ liche Gewalt vom Volke ab, und zu Beginn des 14. Jahrhunderts be­ zeichnet Marsilius von Padua das Volk als Quelle aller Herrschaft. Im ausgehenden Mittelalter gewinnt der genossenschaftliche Staats­ gedanke in den Alpenregionen erneut an Boden. Er ist heute noch am reinsten in einigen Landsgemeindekantonen der schweizerischen Eidgenossenschaft verwirklicht.60 Über Rousseau und andere Denker der Aufklärung erlangt die Idee der Volkssouveränität im 18. und 19. Jahrhundert Gestalt in den Verfassungen der USA, Frankreichs und anderer Länder. Heute begegnen wir dem Prinzip der Herrschaft oder Mitherrschaft des Volkes in der reinen, direkten Demokratie (vereinzelte schweizerische Kantone), in der halbdirekten-halbreprä- 57 Kaiser, Joseph H., in: Staatslexikon, Bd. 6, Spalte 867; ders. Prolegomena zu einer Rechtslehre von Gesellschaft und Staat, Aiad. Antrittsrede 18. 1. 1956, 56. 88 Vgl. Imboden, Systeme, 15ff.; Scheuner, Prinzip, 231. 59 Vgl. hinten Anm. 309. M Imboden, Systeme, 28. 37
        

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