DER 18. JANUAR 1699 - WENDEPUNKT UNSERER GESCHICHTE? / PAUL VOGT Bei einem historischen Vortrag1 anlässlich einer Jubiläumsfeier stellt sich dem Referenten eine dop- pelte Aufgabe: Einerseits gilt sein Interesse dem hi- storischen Vorgang selber, andererseits soll er auch reflektieren, was die Nachfahren - vor allem die Politiker und Historiker - aus den geschichtlichen Ereignissen gemacht haben beziehungsweise ma- chen. Es geht nicht nur um die Frage, was wir ei- gentlich feiern, sondern auch um die Fragen, wa- rum wir etwas feiern und wie wir es feiern. Historiker müssen sich (und den Politikern) ge- genüber misstrauisch sein. Wird Geschichte nicht für vermeintlich staatspolitisch wichtige Anlässe instrumentalisiert? Werden nicht Mythen gebildet, die mit der historischen Realität wenig oder nichts zu tun haben? Die Frage kann aber - zumindest aus der Optik der Politiker - auch umgekehrt ge- stellt werden: Darf denn ein historisch bedeutsa- mes Ereignis nicht instrumentalisiert werden, wenn dieses auch heute noch seine Bedeutung hat? Dürfen staatspolitische Anliegen nicht auch histo- risch verpackt werden? Die Antworten auf solche Fragen erscheinen am- bivalent. Wichtig ist vor allem die Frage nach den Inhalten: Welche Bilder werden benutzt, um unsere Geschichte begreifbar und anschaulich zu machen? Welche Geschichtsbilder prägen unsere Identität? Und schliesslich: Was für Handlungsimpulse ent- nehmen wir diesen Geschichtsbildern? 1) Der Beitrag ist eine leicht überarbeitete Fassung des Vortrags, der am 18. Januar 1999 zum Auftakt der Feierlichkeiten zum Jubiläum «300 Jahre Liechtensteiner Unterland» in der Pfarrkirche Bendorn gehalten wurde. 3
        

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