nautales. Gegen Südwesten dünnen die Funde merklich aus. Die westlichsten Ausläufer bilden die Funde Vogelbach und Osterfingen. Aus dem Boden- seegebiet im engeren Sinne sind nur die Funde von Beuren und Schellenberg zu nennen. Diese Fund- armut um den Bodensee steht in eigentümlichem Widerspruch zur Vielzahl der in diesem Raum ge- genstempelriden Städte. Von allen in der Karte festgehaltenen Funden ist der Schellenberger der südlichste mit Prager Gro- schen. Dieser Fund, ein Einzelfund aus Vaduz mit Feldkirch als gegenstempelnder Stadt stellen die südlichsten numismatischen Belege für die Verbrei- tung von Prager Groschen überhaupt dar.113 Der Höhepunkt in der Verbreitung des Prager Groschens in Südwestdeutschland fällt zeitlich zu- sammen mit der Zeitspanne der Gegenstempelung (zirka 1420 bis 1440). Ab der Jahrhundertmitte geht ihr Anteil am Geldumlauf in Südwestdeutsch- land stark zurück und sinkt im Laufe des 16. Jahr- hunderts zur völligen Bedeutungslosigkeit ab.114 Von den zwölf kartierten Funden mit Prager Gro- schen wurden nur noch vier in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts vergraben (Schellenberg, Sontheim, Vogelbach, Langenau). Der kurz nach 1460 abgeschlossene Schellenberger Fund kam so- mit zu einem Zeitpunkt in die Erde, als die Prager Groschen ihren Höhepunkt im Geldumlauf schon hinter sich hatten. Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts tauchen im Alpenrheintal und in der Schweiz grös- sere italienische Silbermünzen auf. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts kommen solche auch in süd- deutschen Schatzfunden vor.115 Im untersuchten Gebiet liegt der Höhepunkt dieser fast ausschliess- lich aus mailändischen Münzstätten stammenden Prägungen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhun- derts. In Süddeutschland fällt er zeitlich mit dem- jenigen der Verbreitung der Prager Groschen zu- sammen. Zehn der zwölf in Abbildung 14 verzeich- neten Funde mit Prager Groschen enthalten auch mailändische Münzen. In der Schweiz tritt diese Kombination nur beim Schatzfund von Osterfingen auf. Für das Gebiet südlich des Bodensees ist der Schellenberger Fund das einzige Beispiel. 
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ging die Menge der italienischen Prägungen in Süd- deutschland und in der Deutschschweiz wieder zurück.116 Im 16. Jahrhundert waren noch einzelne stark abgegriffene Stücke als Relikte einer vergan- genen Zeit im Umlauf, die ab der Mitte des 16. Jahrhunderts vollends verschwanden.117 Der Schellenberger Fund wurde somit zu einem Zeit- punkt verborgen, als nicht nur die Prager Gro- schen, sondern auch die Mailänder Münzen ihren Zenit bereits überschritten hatten. Tiroler Kreuzer erschienen seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Funden nördlich der Alpen. Im Alpenrheintal sind diese Münzen durch den Fund von Vaduz (vergraben um 1360/65) be- reits zu einem sehr frühen Zeitpunkt belegt, was wohl mit der verkehrstechnischen Bedeutung des Tales erklärt werden kann.118 Ein entscheidender Faktor für den Geldumlauf wurden die Kreuzer nördlich der Alpen aber erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Wahrscheinlich im Jahr 1460 setzte unter Sigismund in der Münzstätte Me- ran eine «engagierte» Kreuzerprägung ein. In Österreich tauchten die ersten Sigismundskreuzer um 1460 in Schatzfunden auf,liy in Südwest- deutschland um 1460/70.120 Im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts und zu Beginn des 16. Jahrhun- derts flössen die Kreuzer dann in grossen Mengen nach Süddeutschland.121 Der Schellenberger Fund ist einer der frühesten Funde mit Sigismundskreuzern im untersuchten Raum.122 Ähnlich wie hundert Jahre früher beim Fund von Vaduz war wohl die Lage des Fundortes an den Zufahrtsstrassen zu den Alpenpässen für das frühe Vorkommen verantwortlich. Das Alpenrheintal lag somit im Einflussbereich verschiedener ausländischer Münzsorten. Die gröss- te Bedeutung hatten hier die aus Süden einströ- menden italienischen Münzen. Aber auch der Ein- fluss der Prager Groschen reichte von Nordosten her bis ins Alpenrheintal. Die dritte wichtige Münz- sorte, die Tiroler Kreuzer, standen zum Zeitpunkt der Vergrabung des Fundes in einer Phase der Ex- pansion, weshalb sie sich relativ früh, aber noch nicht in grosser Menge im Fund niederschlugen. 66
        

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