Um 1423/25 setzte im Bodenseeraum, in der Schweiz und am Oberrhein, verbunden mit einer ganzen Reihe von Münzverträgen, eine umfangrei- che Prägetätigkeit ein, die sich deutlich im Fund niederschlug. Die Zahl der süddeutschen und deutschschweizerischen Prägungen in der Zeit- spanne von 1423 bis 1450 hat sich im Vergleich zu den vor 1423 hergestellten Münzen mehr als ver- dreifacht. Im Zeitabschnitt zwischen 1423 und 1450 sind auch jene Prager Groschen mitgezählt, die in Süd- deutschland etwa von 1420 bis 1440 gegengestem- pelt wurden.99 Ihre Anzahl ist zwar nicht einmal halb so gross wie die der gleichzeitigen süddeut- schen und deutschschweizerischen Gepräge, sie sind jedoch wertmässig höher zu veranschlagen. In der letzten Periode (nach 1450) haben die Ti- roler Prägungen die Überhand. Während die frühe- ren Münzen aus dem Tirol, die Vierer und die frühen Kreuzer Sigismunds, mengenmässig kaum eine Rolle spielen, fallen die 97 wohl kurz nach 1460 geprägten Sigismundskreuzer (Variante lc) umso entscheidender ins Gewicht. Die jüngsten Münzen im Fund neben diesen Kreuzern sind der Altenburger Heller (ab 1451), die beiden Venezia- ner Grossi respektive Grossetti mit den Münzmeis- termonogrammen von Benedetto Soranzo und Na- tale Corner (ab 1452) und der Pfennig Ludwigs von Pfalz-Zweibrücken (ab 1453?). Diese letztere Münze gehört zur erwähnten Gruppe der süddeutschen Pfennige. Die insgesamt 142 dieser häufig schüsseiförmigen Prägungen mit grobem Perlkreis sind sich trotz ihrer langen Prä- gedauer (um 1400 bis nach 1453) von der Machart her sehr ähnlich. Das Vorkommen eines derartig grossen, in sich so einheitlichen Ensembles von Kleinmünzen ist für Schatzfunde dieser Zeit im Bo- denseegebiet einmalig.100 Es ist daher zu vermuten, dass diese ganze Gruppe mit einer einzigen Zah- lung wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der fünf- ziger Jahre in den Fund gekommen ist.101 Zusammenfassend lässt sich die Entstehungsge- schichte des Schellenberger Fundes etwa so vor- stellen-. Der älteste Teil des Fundes, bestehend aus mailändischen Prägungen der zweiten Hälfte des 
14. Jahrhunderts, wird spätestens in der Zeit um 1435 zusammen gekommen sein. Vor allem in den zwanziger und dreissiger Jahren des 15. Jahrhun- derts wurde ein weiterer Teil mit vorwiegend aus dem süddeutschen und dem deutschschweizeri- schen Raum stammenden Münzen dem lokalen Geldumlauf entnommen. Dazu stiessen wohl zur selben Zeit die Prager Groschen. Nach 1440 kamen nur noch wenige, vorwiegend italienische Stücke hinzu. Gegen Ende der fünfziger Jahre gelangte vermutlich der aus südwestdeutschen Pfennigen bestehende Anteil in den Fund und zuletzt, wohl kurz nach 1460, das Ensemble der jüngsten Sigis- mundskreuzer. Mit diesen letzten Prägungen war der Fund abgeschlossen. Die Barschaft wurde wahrscheinlich bald darauf dem Boden anvertraut. 62
        

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