DER MÜNZSCHATZFUND VOM «SCHELLENBERGER WALD» VERGRABEN NACH 1460 / DANIEL SCHMUTZ geringer Bedeutung. Die sieben Münzen aus Vene- dig wurden alle unter dem Dogen Francesco Fosca- ri (1423-1457) geprägt. Die Grossi respektive Gros- setti tragen auf der Vorderseite das Monogramm des Münzmeisters. Dank diesem Umstand lassen sich zwei dieser Münzen auf die Zeit ab 1452 datie- ren. Sie gehören damit zu den jüngsten Prägungen im Fund. Das Vorkommen venezianischer Münzen im Schellenberger Fund ist bemerkenswert und kann wohl mit der Lage des Fundortes an den Zu- fahrtsstrassen zu den Alpenpässen erklärt werden. Venezianische Silbermünzen haben sonst im Geld- umlauf nördlich der Alpen kaum eine Rolle ge- spielt.92 Die beiden Münzen aus Genua (Nr. 601) und Bo- logna (Nr. 609), der zeitweise wichtigsten Münz- stätte des Kirchenstaates in Norditalien, sind einge- sprengte Einzelstücke, die ebenfalls für den Geld- umlaufnördlich der Alpen untypisch sind.93 
90) Für diesen Gegenstempel kommen weder eine Zuweisung nach Rheinau ZH noch nach Leoben in der Steiermark und auch nicht nach Ungarn in Frage. Vgl. die Diskussion bei Krusy, S. 301-302. 91) Klein. S. 287, mit der Erwähnung eines «Schlangenplapparts» Gian Galeazzos mit zwei ULmer Gegenstempeln (Taf. 5.m). Ein weiteres Exemplar desselben Typs mit einem Überlinger Gegenstem- pel befand sich im Fund von Aufhofen, Lkr. Biberach, 1962 (nach 1436): Krusy, Hans: Der Fund von Aufhofen, Krs. Biberach Riss vergraben 1435-40. In: HBN Bd. 6, Heft 18-20 (1964/66), S. 95-110, hier S. 109, Nr. 129. Die Liste bei Krusy, S. 418, nennt auch nur diese drei Stücke. 92) Im Alpenrheintal sind bisher ausser aus dem Fund von Schellen- berg keine Fundmünzen aus Venedig bekannt. Vgl. die Fundregosten bei Zäch, Alpenrheintal, S. 233-238. Der «Vorarlberger Fund» enthält einen Soldino des Francesco Dandolo. Klein, S. 294 mit Taf. 4. m. Zu den venezianischen Goldmünzen vgl. hingegen Klein, 5. 290-291. 93) Eine Ausnahme bildet der Fund von Kadelburg, Lkr. Waldshut, 1921 (um 1450), der 29 Genueser Grossi enthielt. Schüttenhelm, S. 416. Die Genueser Münze des Schellenberger Fundes wurde von Kittelberger falsch bestimmt. Sie stammt vom Dogen Tommaso di Campofregoso (1436-1443) und nicht von Simone Boccanegra (1339-1344). Sie ist somit auch nicht die älteste Münze des Fundes, wie von ihm behauptet wurde. Kittelberger, S. 128. 85) Auffallend gering ist die Zahl der Fundmünzen in der Schweiz aus der Regierungszeit Gian Galeazzos als Herr von Mailand (vor seiner Erhebung zum Herzog 1 395). Schärli, Mailändisches Geld. S. 283, Anm. 22, hat darauf hingewiesen, dass dieser Umstand allenfalls auf Datierungsprobleme zurückzuführen ist. 86) Schärli, Mailändisches Geld. S. 283. Pegioni gelten in der zwei- ten Hälfte des 14. Jahrhunderts eineinhalb Soldi. die Grossi dagegen zwei Soldi. Schärli, Mailändisches Geld, S. 283. Anm. 22. Hier auch Informationen zur Herkunft des Ausdrucks «Pegioni». 87) Die Bezeichnungen «alter Plappart» und «Kreuzplappart» linden sich etwa in der Tarifierung des Riedlinger Vertrags, der Ausdruck «Schlangenplappart» in der Würzburger Valvation von 1496. Cahn, Konstanz, S. 250; Klein, S. 293. Weitere Beispiele aus Schweizer Quellen bei Schärli, Mailändisches Geld, S. 286-290. 88) Die Zusammenstellung bei Schärli, Mailändisches Geld, S. 295, Beilage 3 und S. 310, nennt nur wenige Funde, die Sesini enthielten. Funde mit einem aussergewöhnlich hohen Anteil an Sesini sind die Schatzfundevon Küttigen/Kirchberg AG, 1877 (nach 1412), und Trimbach SO, 1860 (um 1410). Schärli, Beatrice: Mittelalterliche Münzen aus Mailand im Aargau. Der Fund von Kirchberg. In: Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit. Die numismati- sche Sammlung des Kantons Aargau. Hrsg. vom Historischen Museum Schloss Lenzburg. Lenzburg, 1997, S. 62-71. Hier S. 66, Anm. 14, Hinweis auf den Fund von Trimbach. K. M[eisterhans|: Grössere Münzfunde aus dem Ct. Solothurn. In: ASA 22. 1889. S. 232-233 (zum Fund von Trimbach). Ein Sesino entspricht in Italien sechs Denaren. Ein Pegone hat dort somit den dreifachen Wert eines Sesino. 89) Schärli, Mailändisches Geld, S. 294, Beilage 1, verzeichnet jedenfalls kein einziges Stück aus dem Gebiet der heutigen Schweiz. 59
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.