DER MÜNZSCHATZFUND VOM «SCHELLENBERGER WALD» VERGRABEN NACH 1460 / DANIEL SCHMUTZ bindung der Stempel deuten daraufhin, dass diese Münzen kaum einzeln dem Geldumlauf entnom- men worden sein können. Sie sind wahrscheinlich als Ensemble in die Hände des Besitzers gelangt. Somit kann diese Gruppe auf ihrem Weg von der Münzstätte Meran bis zum Fundort nicht durch be- liebig viele Hände gegangen sein. Das Ensemble gelangte wohl auf direktem Weg aus der Münzstät- te in den Fund. Der Besitzer fügte diese Stücke als letzte zu sei- nen Ersparnissen hinzu und vergrub diese wohl nur kurze Zeit später. Als Importroute für die Tiroler Kreuzer kommt neben den Bündner Pässen auch der Arlberg in Frage. Das weitgehende Fehlen von tirolischen Fundmünzen in Graubünden spricht für eine Ein- fuhr über diesen Pass.83 ITALIEN Die italienischen Münzen machen mengenmässig einen Anteil von 34 Prozent des Fundinhaltes aus. Wertmässig ist dieser Anteil jedoch bedeutend höher, nämlich auf rund 48 Prozent zu veranschla- gen. Dieser Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass der italienische Fundanteil aus grösseren Sil- bermünzen besteht. Die Kleinmünzen hingegen fehlen. Der mit Abstand grösste Anteil entfällt auf die mailändischen Münzen (199 Stück), wozu auch die Prägungen aus den mailändischen Nebenmünz- stätten Pavia und Verona gezählt werden (Tab. 4). Die übrigen italienischen Münzen fallen im Ver- gleich mit den mailändischen kaum ins Gewicht. Sieben Münzen stammen aus Venedig, je ein Ein- zelstück aus Genua und aus Bologna. Das Spektrum der Mailänder Prägungen umfasst die erstaunlich grosse Zeitspanne von beinahe hundert Jahren. Die ältesten Münzen stammen von Barnabö und Galeazzo II. Visconti. Die jüngste, die als einzige nicht von einem Visconti geprägt wurde, ist in der Zeit der zweiten mailändischen Republik hergestellt worden. Innerhalb dieses Spektrum sind die Münzen sehr ungleichmässig verteilt. Der 
älteste Anteil mit Prägungen von Barnabö und Ga- leazzo II. umfasst 35 Stück (inkl. Gemeinschafts- prägungen).84 Diese Münzen sind gleichzeitig auch die ältesten Prägungen des Fundes. Den Hauptanteil der Mailänder Münzen prägte jedoch Gian Galeazzo (155 Stück). Der grösste An- teil (132 Stück) stammt aus seiner Zeit als Herzog 12) Insgesamt elf Stücke konnten Wenzel IV. nicht sicher zugeordnet werden. Bei all diesen Stücken waren zwar Teile des Namens (WENCEZLAVS) lesbar, nicht aber die Ordnungszahl (TERCIVS). Da Gegenstempel auf Präger Groschen von Wenzel II. (1278-1305) extrem selten sind - Krusy kennt nur ein einziges Stück - sind diese elf Stücke mit grösster Wahrscheinlichkeit ebenfalls Wenzel IV. zuzuorden. Vgl. Krusy. Maus: Gegengestempelte Prager Groschen, die nicht den Namen Wenzels III. tragen. In: HBN Bd. 6/2, Heft 20 (1966). S. 525-530, hier S. 527. 73) Krusy, Prager Groschen (wie Anm. 72), S. 527, verzeichnet nur gerade 16 weitere Stücke. Das Schellenberger Stück weist Gegen- stempel von Nördlingen und Ulm auf. Offenbar ist dies der einzige bekannte Nördlinger Stempel auf einem Groschen Karls. 74) Zur Unterscheidung der Vierer Leopolds III. und Leopold IV. vgl. Diaz Tabernero, S. 18 mit Anm. 86. 75) Bendern; Gretschins. Zäch, Alpenrheintal, S. 229, Anm. 141. 76) Zäch, Alpenrheintal, S. 222. 77) Kreuzer Sigismunds wurden in Bendern und Vaduz gefunden, ein Sechser Sigismunds auf der «Oberen Burg» in Schellenberg. Zäch. Alpenrheintal. S. 229. Anm. 141. 78) Zur Gliederung der Sigismundskreuzer vgl. Alram. u. a.. S. 124-131. 79) Alram u. a., S. 129-130. Gemäss den Forschungen von Rizzolli hat sich 1461 die Prägetätigkeit gegenüber dem Vorjahr verdrei- facht. Seiner Ansicht nach steht die Variante 1 c am Beginn einer 1461 vehement einsetzenden Münzproduktion. Freundliche Mittei- lung von Helmut Rizzolli, Bozen. 80) Vgl. unten Kapitel Altersstruktur und Vergrabungszeitpunkt. 81) Obwohl das Verhältnis der Stempelzahlen von Vorder- und Rückseitenstempel für eine Bezeichnung der Seite mit dem Adler als Vorderseite spricht, wurde in der vorliegenden Arbeit traditionell die mit dem Namen des Münzherrn (SIGISMUVNDVS ) versehene Seite als Vorderseite bezeichnet. 82) 1x2 Stücke aus einem Vs.-Stempel (hier Adlerseite), 3x2 Ex. aus einem Rs. Stempel (hier Kreuzseite). Alram u.a., S. 146-147, Nr. 41. 83) Zäch vermutet, dass die Kreuzer des Fundes von Vaduz ebenfalls über den Arlberg importiert wurden. Zäch, Fremde Münzen, S. 421. Anm. 123. 84) In Bezug auf die Datierung der Prägungen der beiden Brüder sind immer noch Fragen offen. Schärli. Mailändisches Geld. S. 283. Anm. 22. 57
        

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