wohl alle von König Wenzel IV.72 Gegengestempelte Groschen mit dem Namen Karls sind sehr selten.73 Diese älteren Stücke sind vermutlich unbemerkt zusammen mit den Groschen Wenzels zirkuliert. TIROL Die ältesten Tiroler Prägungen des Schellenberger Fundes sind die fünf Vierer der Grafen Leopold IV. (1395-1406)74 und Friedrich IV. (1406-1439). Von Sigismund (1439-1490, fl496) ist ein Exemplar dieses Nominals im Wert eines Fünftelkreuzers vorhanden. Tiroler Vierer sind bisher schon mehr- fach in Funden des Alpenrheintals zum Vorschein gekommen, abgesehen vom Schellenberger Fund allerdings ausschliesslich in Siedlungsfunden.75 Die Hauptmasse der Tiroler Münzen im Schel- lenberger Fund machen die Kreuzer aus. Diese Prägungen haben schon im 14. Jahrhundert den Weg ins Alpenrheintal gefunden. Der rund hundert Jahre vor dem Schellenberger Fund vergrabene Schatzfund von Vaduz ist einer der frühesten Bele- ge für diese Münzen nördlich der Alpen.76 Danach sind sie erst zur Zeit Sigismunds wieder im Alpen- rheintal nachgewiesen. Kreuzer dieses Herrschers kommen abgesehen vom Fund von Schellenberg auch in Siedlungsfunden vor.77 Die Sigismundskreuzer sind in mehreren Vari- anten im Schellenberger Fund vertreten. Nach einer kürzlich vorgenommenen Gliederung gehören die fünf Stücke der Variante la, die einen groben Stern als Legendentrenner aufweisen, an den Anfang der Kreuzeremission Sigismunds (Nr. 297-301).78 Bei den zwei Stücken der Variante lb treten zwei über- Abb. 13: Stempelkopplun- gen bei den Kreuzern der Variante lc 
einanderstehende Ringel an die Stelle des Sterns (Nr. 302-303). Diese Variante ist mit ziemlicher Si- cherheit ebenfalls den frühen Sigismundskreuzern zuzurechnen. Die Hauptmasse besteht aus 97 Kreuzern der Variante lc, die auf der Vorderseite zwei, auf der Rückseite ein blitzähnliches Beizeichen aufweisen (Nr. 304-400). Gemäss der erwähnten Gliederung folgt diese Variante unmittelbar auf die im Fund nicht enthaltene Gruppe, die unter dem Adler die Zahl 60 trägt, die wahrscheinlich als Jahrzahl (14)60 interpretiert werden kann. Zu diesem Zeit- punkt setzte im Tirol eine «engagierte» Kreuzer- prägung ein.79 Die Sigismundskreuzer der Variante lc sind somit unmittelbar nach 1460 entstanden. Aufgrund der Fundzusammensetzung handelt es sich um die letzten Münzen, die in den Fund ge- langten.80 Auffällig an den Stücken der Variante lc ist ihre ausgezeichnete Erhaltung. Fast alle Stücke sind nicht abgegriffen, weshalb diese Münzen nur sehr kurze Zeit im Umlauf gewesen sein können. Die an diesem Ensemble vorgenommenen Stempelunter- suchungen haben ergeben, dass diese Münzen nur mit sehr wenigen Stempeln geschlagen wurden. Ins- gesamt konnten sieben Vorder- und fünf Rückseiten- stempel unterschieden werden (Abb. 13).81 49 Mün- zen wurden dabei mit ein und demselben Stempel- paar (Vs. Stempel 1/Rs. Stempel 1) geschlagen. Bis auf eine Ausnahme sind alle Stempel miteinander verhängt. Bei sechs der sieben Vorderseitenstempel konnte je eine Verbindung mit dem Rückseitenstem- pel 2 festgestellt werden. Als Vergleich kann der Fund von St. Valentin in Niederösterreich herangezogen werden (vergraben nach 1482), der insgesamt 156 Stücke derselben Variante enthielt. Als Ergebnis der Stempelunter- suchungen an dieser Gruppe konnten die Bearbei- ter des Fundes nur vier Stempelkombinationen feststellen.82 In diesem deutlich nach dem Schellen- berger Fund vergrabenen Schatz war wegen des späteren Vergrabungszeitpunkts offensichtlich eine viel grössere Anzahl von Stempeln vertreten. Die geringe Abgegriffenheit der Stücke der Vari- ante lc im Schellenberger Fund und die enge Ver- 56
        

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