DER MÜNZSCHATZFUND VOM «SCHELLENBERGER WALD» VERGRABEN NACH 1460 / DANIEL SCHMUTZ häufigsten vertreten, was aufgrund der wirtschaftli- chen Stellung dieser Stadt nicht weiter erstaunt.64 Die beachtliche Anzahl von neun Feldkircher Ge- genstempeln kann mit der kurzen Distanz zwischen dieser Stadt und dem Fundort erklärt werden. Er- wartungsgemäss sind diese stets zuletzt auf den Prager Groschen eingestempelt worden.65 Die übri- gen Städte des Bodenseeraums sind mit deutlich weniger Gegenstempeln (ein bis vier Stück) im Schellenberger Fund vertreten (Ravensburg, Kemp- ten, Lindau, Isny, Radolfzell, Schaffhausen, Wan- gen, Memmingen). Als Sonderfall kann der Riedlinger Bund gelten, der - soweit bekannt - als einziger Münzbund Pra- ger Groschen gegenstempelte. Gemäss Krusy ge- schah dies vor 1428 mit einem Adler, zwischen 1428 und 1431 mit einem Stern.66 Neben der Ge- genstempelung des Bundes sind von den meisten am Bund teilnehmenden Städten aber auch eigene Gegenstempel bekannt.67 Ob die eigene Stempelung der zum Bund gehörenden Städte zeitweise zugun- sten derjenigen des Bundes aufgehört hat, ist unsi- cher. Im Fund sind zwei Stücke enthalten, die ne- ben einem Gegenstempel des Bundes auch einen Stempel eines Bundesgenossen aufweisen.68 Diese Münzen können jedoch nicht zwingend als Beweis für eine gleichzeitige Stempelung gelten. Es gibt Hinweise darauf, dass Münzen zwischen zwei Ge- genstempelungen längere Zeit zirkulierten. So wa- ren auf einem Stück gleich beide Stempel des Ried- linger Bundes (Adler und Stern) eingeschlagen, die nicht gleichzeitig in Gebrauch waren (Nr. 275). Eine ganze Gruppe von Städten, die nur durch wenige Gegenstempel im Schellenberger Fund ver- treten sind (ein bis drei Stück), liegt zwischen Do- nau und Neckar (Urach, Göppingen, Heilbronn, Esslingen, Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch Hall, Weinsberg). Drei Städte liegen noch weiter nördlich in Hessen (Frankenberg, Marburg) und in West- falen (Attendorn69). Interessanterweise wurden die meisten der entsprechenden Prager Groschen auf ihrem Weg nach Süden in Ulm ein zweites Mal ge- stempelt.70 Ulm war also auch für diese Prägungen das «Einfallstor» in den Bodenseeraum. 
Wenn auch die meisten Gegenstempel den auf- gezeichneten Tendenzen folgen, belegen doch eini- ge «Irrläufer», dass die Verbreitung der Prager Groschen keineswegs immer geradlinig verlief.71 Bei genügend grosser Stückzahl, wie sie der Schel- lenberger Fund aufweist, lassen sich die groben Tendenzen dennoch gut ablesen. Einer der insgesamt 72 im Fund enthaltenen Prager Groschen stammt von Karl L, die übrigen 61) Insgesamt konnten 120 Gegenstempel nachgewiesen werden. 62) Schüttenhelm. S. 392. 63) Nr. 250, 251. 273. 288. 64) Der Stadt Konstanz können wahrscheinlich drei verschiedene Gegenstempel zugewiesen werden. Sicher gehört derjenige mit dem Bischofskopf (Krusy, K 5,1-12) nach Konstanz. Bei den anderen ist die Zuweisung umstritten. Vom Gegenstempel mit dem Kreuzschild (Krusy. X 73) ist bisher nur das Stück aus dem Schellenberger Fund bekannt geworden (Nr. 232). Der andere, runde Gegenstempel (Nr. 260) zeigt ebenfalls ein Kreuz, im Winkel rechts oben ein Stern, im Winkel links unten ein Halbmond (Krusy, X 66,4). Bei beiden Stempeln hat Krusy Bedenken, sie Konstanz zuzuweisen. Krusy, S. 306 und 307. Seine Argumente gegen Konstanz sind jedoch nicht stichhaltig. Der Konstanzer Stadtschild erscheint auf den Münzen des Riedlinger Bundes immer ohne Schildhaupt. Somit muss auch der Schild des Gegenstempels nicht unbedingt ein Schildhaupt aufweisen, wie Krusy behauptet. Auch die Beizeichen Mond und Stern, die auf Konstanzer Münzen schon seit dem 13. Jahrhundert vorkamen, sprechen eher für Konstanz als dagegen. Mangels einer besseren Alternative schlage ich vor, diese beiden Gegenstempel in Konstanz zu belassen (wie Nau, Oberschwaben, S. 25, Nr. 6 und 8). 65) Gegenstempel von Feldkirch, dem südlichsten Ort, der Prager Groschen gegenstempelte, sind eine grosse Seltenheit. Krusy kann zu den neun Stücken des Schellenberger Schatzfundes nur gerade drei weitere anfügen. Krusy. S. 88. Zur Zuweisung dieses Gegen- stempels an die Stadt Feldkirch vgl. Fussenegger, Kurt: Feldkirch als Münzstätte? In: JbVLM 117 (1973), S. 126-144. 66) Krusy. S. 224. 67) Krusy, S. 24. 68) Nr. 277 (Riedlinger Bund, Ulm und Konstanz); Nr. 291 (Riedlin- ger Bund und Ulm). Zu dieser Frage vgl. auch Krusy, Gegenstempel, S. 224. 69) Ein Prager Groschen (Nr. 290) wurde mit demselben Attendor- ner Stempel gleich zweifach gegengestempelt, ein Phänomen, das in Westfalen häufig vorkommt. Krusy. S. 28. 70) Nr. 254 (Esslingen-Ulm): Nr. 256 (Frankenberg-Ulm); Nr. 269 (Urach-Ulm); Nr. 279 (Weinsberg-unbest. Gegenstempel-Ulm); Nr. 290 (Attendorn-Ulm). 71) So etwa Nr. 258 (zuerst Kempten, dann Ulm). 55
        

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