Frankreich, der in vielen westeuropäischen Münz- stätten, besonders in den Niederlanden und am Niederrhein nachgeahmt wurde. Drei Stücke stam- men von Herzog Karl II. von Lothringen (1390-1431) aus der Münzstätte Nancy. Ein Tournosgroschen aus der Münzstätte St. Mihiel wurde unter Rene d'Anjou als Herzog von Bar (1419-1453) geprägt.49 Tournosgroschen kommen im Gebiet der heuti- gen Schweiz in Schriftquellen häufiger vor als in Funden. Aus dem 15. Jahrhundert sind wenige Schatzfunde bekannt, die lothringische Tournos- groschen enthielten. Wie auch im Schellenberger Fund machen diese Prägungen jeweils nur einen geringen Anteil aus.50 Im südwestdeutschen Raum waren lothringische Münzen im 15. Jahrhundert noch kaum von Bedeutung, sie gewannen erst im folgenden Jahrhundert an Einfluss, besonders am Oberrhein.51 MITTEL- UND NORDDEUTSCHLAND Eine kleine Gruppe stellen die fünf Münzen aus Mittel- und Norddeutschland dar. Zu dieser Gruppe gehört die einzige Goldmünze des Schellenberger Fundes (Nr. 215), ein Goldgulden mit dem Namen von König Sigismund (1410-1437). Dieser entstand in der Reichsmünzstätte Nürnberg, wo in den Jah- ren 1414 bis 1419 Goldgulden - alle vom selben Typ - ausgegeben wurden. Diese Prägungen kom- men zwar gelegentlich in süddeutschen und schweizerischen Schatzfunden vor, sie stellten je- doch in diesem Raum im Vergleich mit den rheini- schen Goldgulden nur einen sehr geringen Anteil am Geldumlauf dar.52 Zwei Münzen stammen von den Burggrafen von Nürnberg (Nr. 216-217). Diese Prägungen kamen, abgesehen vom Schellenberger Fund, bisher noch nie im Alpenrheintal zum Vorschein.53 Das Vor- kommen von drei Nürnberger Prägungen im Fund kann wohl mit dem auch sonst im Schatzfund deut- lich fassbaren Einfluss aus dem fränkischen und böhmischen Raum erklärt werden. Neben den Nürnberger Münzen sind darin auch drei Nürnber- ger Gegenstempel auf Prager Groschen enthalten.54 
Der Altenburger Heller (Nr. 218) kann einer Gruppe von mittel- und zum Teil auch norddeut- schen Kleinmünzen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zugerechnet werden, die in schweizerischen Kirchenfunden häufig auftauchen. In der Regel kommen diese jedoch nicht in Schatz- funden vor.55 Allenfalls kann auch der Lüneburger Pfennig (Nr. 219) zu dieser Gruppe gezählt werden. BÖHMEN Den numismatisch wohl interessantesten Teil des Schellenberger Fundes bilden die Prager Groschen mit ihren zahlreichen Gegenstempeln (Abb. 12). Der Beginn der Ausprägung dieser Münzen in der Münzstätte Kuttenberg (Kutnä Hora) im Jahre 1300 war durch die kurze Zeit zuvor gefundenen Silbervorkommen möglich geworden und leitete eine neue Epoche im böhmischen Münzwesen ein.56 Die Prager Groschen Wenzels II. (1278-1305) wie auch seiner Nachfolger Karl I. (1346-1378)57 und Wenzel IV. (1378-1419)58 gelangten wegen der stets passiven Handelsbilanz Böhmens in grossen Mengen ins Ausland. Unter der Herrschaft Wenzels IV. war es wie auch schon unter seinen Vorgängern mehrfach zur Herabsetzung des Silbergehalts gekommen. Nach seinem Tod wurden unter hussitischer Leitung wahrscheinlich weiterhin Prager Groschen mit sei- nem Namen hergestellt, die nur noch einen gerin- gen Silbergehalt aufwiesen und in der Regel sehr unsorgfältig geprägt waren.59 Die Verbreitung die- ser minderwertigen Prägungen führte zu Klagen und provozierte Gegenmassnahmen. In den zwan- ziger und dreissiger Jahren des 15. Jahrhunderts wurden in weiten Teilen Süddeutschlands, in Fran- ken und in Westfalen die umlaufenden Groschen von der Obrigkeit geprüft und die guten mit einem Gegenstempel versehen, um ihnen die lokale Kurs- fähigkeit zu sichern.60 Die Gegenstempel stammen in der Regel von Städten und zeigen entweder das Stadtwappen oder ein sonstiges für die jeweilige Stadt charakteristisches Symbol. Sind auf einer Münze nacheinander die Stempel verschiedener 52
        

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