Die Herkunft der Münzen ÜBERBLICK Der Schatzfund von Sehellenberg ist bezüglich sei- ner Zusammensetzung ein aussergewöhnlich viel- fältiger Mischfund. Die Mannigfaltigkeit zeigt sich bereits bei der geographischen Herkunft der Mün- zen. Die 611 
Prägungen stammen aus insgesamt 34 Münzstätten, die in einem Gebiet liegen, das sich von Norddeutschland bis Italien und von Lo- thringen bis Böhmen erstreckt (Abb. 11). 
Im Fund sind Münzen aus ganz verschiedenen Währungsge- bieten vertreten (Tab. 1). Rund ein Drittel stammt aus dem süddeutsch-sclnveizerischen Raum (Bo- denseegebiet, Ober-und Mittelrhein, Deutsch- schweiz). Ein weiteres Drittel des Fundes ma.chen die italienischen Münzen aus, die im Fund sehr stark vertreten sind. Das letzte Drittel besteht aus tirolischen und böhmischen Prägungen sowie aus den kleinen Gruppen der mittel-und norddeut- schen und der lothringischen Münzen. Die Vielfalt des Fundes zeigt sich aber auch in den zahlreichen Nominalen, welche praktisch das ganze spätmittelalterliche Geldspektrum von den Goldmünzen bis zum täglichen Kleingeld ab- decken. Auch in seiner chronologischen Zusam- mensetzung ist der Fund sehr inhomogen: Die älte- sten Münzen sind rund 100 Jahre vor den jüngsten geprägt worden. Region Bodenseegebiet Deutschschweiz Ober-und Mittelrhein Mittel-und Norddeutschland Lothringen Böhmen Tirol Italien unbestimmt Total 
Anzahl Anzahl Münzen 
in% 114 
18,7 37 
6,1 59 
9,7 5 
0,8 4 
0,7 72 
11,8 110 
18,0 208 
34,0 2 
0,3 611 100 Tab. 1: Anzahl ivlünzen nach Währungsgebieten 
DER MÜNZSCHATZFUND VOM «SCHELLENBERGER WALD» VERGRABEN NACH 1460 /DANIEL SCHMUTZ BODENSEERAUM Obwohl der Fundort Sehellenberg im unmittelba- ren Einzugsgebiet des Bodenseeraumes gelegen ist, stellen die Münzen dieses Gebietes mit 114 
Münzen nur die zweitgrösste Gruppe des Schatzfundes dar. Der mit Abstand grösste Anteil, die italienischen Münzen, umfasst beinahe doppelt so viele Stücke (208 Münzen). Die älteste Münze aus dem Bodenseeraum ist ein Konstanzer Schilling, der nach dem Vertrag von 1417 
geprägt wurde (Nr. 1). 
Aufgrund des gestei- gerten Geldbedarfs während des Konstanzer Kon- zils (1414-1418) 
ging Konstanz im Jahr 1417 
mit weiteren Städten des Bodenseeraumes sowie mit Zürich, Schaffhausen und Diessenhofen einen 25) Kittelberger. S. 116. 26) Dieser Fundantcil (K 0611/0424-K 0611/0463) ist erwähnt bei Zäch. Alpenrheintal. S. 234. Anm. 160. Er kam bei der ivlaterialauf- nahme für Zächs Aufsatz zum Vorschein. 27) Aul1iewahrungsort: AFL. lnv. L 0611/0001; Randdurchmesser: 13.8 cm: Höhe: 19.7 cm; Bodendurchmesser: 6.5 cm: Gewicht: 375.85 g. Beschreibung des Topfes bei: Steininger (wie Anm. 5). S. 68-69. Nr. 88 und Lobbedey (wie Anm. 5). S. 49 und 117-118. Nr. 39 mit Tf. 60. Nr. b5 und Tf. 
62. Nr. 2. Für die vorliegende Arbeit wurde der Topf neu beschrieben von Ulrike ivlayr. AFL. 28) Zu den Grapen allgemein vgl. Gross. Uwe: i'vlittelalterliche Keramik zwischen Neckarmündung und Schwäbischer Alb. Bemer- kungen zur räumlichen Entwicklung und zeitlichen Gliederung. Stuttgart. 1991. (Forschungen und Berichte der Archäologie des i'vlittelalters in Baden-Württemberg 12). S. 119-120. 29) Vgl. die Verbreitungskarte für unglasierte Grapen bei Gross (wie Anm. 28). S.120. Abb. 57. 30) So Schnyder. Rudolf: Keramik des I'vlittelalters. Bern. 1972. (Aus dem Schweizerischen Landesmuseum 30). S. 1.5. Nr. 3. Livl 25 481 (Zürich. Altstadt. In Gassen 6, um 1450/60): Faccani. Guido: Ein Fundkomplex mit Terminus ante quem von 1501 aus dem Waaghaus (Marktgasse 25) in Winterthur. In: A.rchäologie im Kanton Zürich. Zürcher Denkmalpl1ege. 12. Bericht 1987-1992. 1. 
Teil. Zürich und Egg. 1994. S. 228-250. hier S. 234. Die bei Lehmann. Peter: Zwei Töpferöfen in der Winterthurer Altstadt. Zürich und Egg. 1992. (Berichte der Zürcher Denkmalpflege. Archäologische ivlonographien 12). S. 49-52 abgebildeten früheren Dreibeingefässe (um 1400) weisen dagegen bauchigere Formen auf. 31) Freundlicher Hinweis von Henata Windler. Zürich. 47
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.