Unheilvoll drohend und bedrückend zeigt sich der Hohenemser Steinbock hoch oberhalb des Schwurplatzes an der Nordmauer des Konvent- gebäudes in Bendern. Die Herrschaftszeit der Hohen- emser bedeutete, beson- ders in ihrer Spätphase, Unterdrückung und Ent- behrung für die Schellen- berger und Vaduzer Unter- tanen. Allerdings wurde diese Zeit noch bis weit ins 20. Jahrhundert mit Ab- sicht so düster wie mög- lich dargestellt, um den Herrschaftsantritt der Liechtensteiner in mög- lichst hellem Licht erstrah- len zu lassen. Die neuere Geschichtsforschung je- doch präsentiert ein diffe- renzierteres Bild, das zu- dem aufzeigt, dass das neue Herrscherhaus in absolutistischer Manier zunächst danach trachtete, tradierte Volksrechte - in Missachtung des 1699 gegebenen Versprechens - abzuschaffen. Der Schat- ten des Hohenemser Steinbocks verblasste langsam, doch andere Licht- und Schattenspiele traten an seine Stelle. 
Die Existenz des Kleinstaates stand oft auf der Kip- pe, mindestens so oft erfuhr der Kleinstaat Liech- tenstein aber auch Verständnis und Sympathie von den Mächtigeren. Peter von Matt hat in seiner bereits erwähnten Ansprache gesagt, die Schweiz habe von aussen Geschenke erhalten, die sie ohne jede falsche Be- scheidenheit angenommen habe. Zu den ältesten Wahlsprüchen der Schweiz gehöre der (leicht ver- änderte) Satz aus der Bibel: «Der Herr hat's gege- ben, wir haben's genommen, der Name des Herrn sei gelobt!» Ähnliches liesse sich auch für Liechten- stein sagen: Auch wir in Liechtenstein haben uns angewöhnt, Geschenke mit grosser Selbstverständ- lichkeit anzunehmen. Können wir aus der Geschichte lernen? Eine Antwort auf diese Frage gibt Peter Kaiser im letz- ten Satz seiner Geschichte des Fürstentums Liech- tenstein: «Die Geschichte zeigt dem Menschen die ganze Fülle seiner Irrungen, Leiden, Gebrechen und selbstverschuldeten Übel, wie die Göttlichkeit seiner Natur und Bestimmung, und indem sie sol- ches thut, erniedrigt sie ihn nicht, sondern führt ihn auf diesem Wege, sofern er guten Willens ist, zur Selbsterkenntnis und Weisheit, lässt ihn alle Heilmittel in ihm selber schauen und versöhnt ihn mit der göttlichen Vorsehung, wenn er sich ver- messen will, wider sie zu klagen.» 32
        

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