GENERAL SUWOROW UND DIE RUSSEN IN LIECHTEN- STEIN /ARTHUR BRUNHART sehe General Aleksander Suworow über den Gott- hard in die Zentralschweiz einfallen, die bei Zürich stehenden Franzosen im Rücken fassen und aus der Schweiz vertreiben sollte, unterstützt von einer gleichzeitig von Süddeutschland her angreifenden russischen Armee unter dem Befehl vom Aleksan- der Michajlowicz Korsakow-Rzymski (1753-1840). DER ALPENFELDZUG 1799 Am 15. September 1799 sammelte General Suwo- row 21000 Soldaten, 25 Kanonen, 650 Maultiere und Pferde im Tessin und warf die Franzosen unter grossen Opfern vom Gotthard.14 Nach verlustrei- chem Kampf in der Schöllenenschlucht, wo seit 1898 ein Russendenkmal in den Fels gemeisselt ist, drang die Armee nach Altdorf vor.15 Hier erfuhr sie, dass die von General Korsakow geführten russi- schen Truppen am 25. September 1799 bei Zürich von den Franzosen unter Andre Massena geschla- gen worden waren.16 Der Weg hinaus war ver- sperrt, es blieb nur der Rückzug über den 2 076 Meter hohen Kinzigpass ins Muotathal. Vom 28. auf den 29. September schlug Suworow dort das Quar- tier im Kloster St. Joseph in Muotathal auf, wäh- rend seine Truppen plünderten und Brennholz von Scheunen und Zäunen beschafften. Gegen die nach- drängenden Gegner konnten sie sich mühsam be- haupten, aber auch zahlreiche Gefangene machen. Um der Einsperrung zu entgehen, begann am 29. September der Marsch über den Pragelpass, um über Glarus und den Kerenzerberg nach Sar- gans zu finden. Der Aufstieg war strapaziös: Kälte, Nässe, Hunger und Schnee setzten den vielfach barfüssigen Soldaten zu. Als die Russen den Klön- talersee erreichten, wurden sie von den Franzosen, welche den Ausgang in die Linthebene versperrten, in neue heftige Kämpfe verwickelt. Der Rückzug ging weiter über den 2 400 m hohen Panixerpass von Glarus nach Graubünden - die vierte Passüber- querung innerhalb von drei Wochen. Der Übergang bei 70 Zentimetern Neuschnee forderte rund 200 Menschenleben sowie den Verlust von Tragtieren und Geschützen.17 
Am 7. Oktober erreichte das entkräftete Heer Ilanz.18 Es zählte kaum mehr 15 000 Mann, davon ein Drittel kampfunfähig. Soldaten und Gefangene befanden sich in einem desolaten Zustand, die Ka- nonen waren verloren. Von Chur aus bewegten sie sich rechts dem Rhein entlang und über die St. Lu- zisteig in Richtung Bodensee. Die halb verhunger- ten, auf sich selbst gestellten Soldaten nahmen, was ihnen in die Hände geriet. DIE RUSSEN IN LIECHTENSTEIN Am Nachmittag des 11. Oktober 1799, an einem Freitag zwischen vier und fünf Uhr, traf General Suworow in Balzers ein,19 das vier Jahre zuvor ei- nem Dorfbrand zum Opfer gefallen war. Der Gene- ral hatte die Nacht zuvor in einem Maienfelder Pa- trizierhaus verbracht. Dort habe er, wie überliefert wird,20 darum gebeten, alle Wandspiegel umzukeh- ren, damit er sein eigenes Jammerbild nicht sehen müsse. Landvogt Menzinger berichtete am folgenden Dienstag, dem 15. Oktober,21 dass Suworow mit der Generalität in Balzers angekommen sei und beim Postwirt (damals noch Gasthof Rössle) Quartier ge- nommen habe. Die Regimenter und Kosaken biwa- 14) Grimm: Suworow, S. 208; zur Sache vgl. Reding-Biberegg, Rudolf von: Der Zug Suworows durch die Alpen. 1799. Stans. 1895 (SD Ge- schichtsfreund, Bd. 50. 1895): Camenzind, Alois: Maultiere machen Geschichte oder Suworows Krieg in den Schweizer Alpen im Jahre 1799. Brunnen, 1992; Looser, Gaudenz: Suworows Weg durch die Schweiz. Glarus, 1999. 15) Stüssi-Lauterburg, Jürg et al: Weltgeschichte im Hochgebirge. Baden. 1999. 16) Fuhrer, Hans Rudolf: Die beiden Schlachten von Zürich 1799. Zürich, 1995 (Schriftenreihe der Gesellschaft für Militärhistorische Studienreisen. GMS 14). 17) Büchel: Balzers, S. 129. 18) Grimm: Suworow. S. 209. 19) Ebenda, S. 205. 20) Büchel: Balzers, S. 130. 21) Ebenda, S. 131. 335
        

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