Der Herrschaftswechsel aus der Sicht der Untertanen Szene aus dem histori- schen Theater, aufgeführt von Schülerinnen und Schülern der Realschule Eschen am 16. März 1699 auf dem Kirchhügel Ben- dern: Das Volk (unten) ist bereit, der neuen Obrigkeit (oben) die Treue zu schwö- ren, nachdem der neue Landesherr versprochen hat, die althergebrachten Volksrechte zu schützen. Von diesen Geschehnissen scheinbar unbeeindruckt verharrt eine kleine Men- schengruppe etwas abseits auf einem Felsvorsprung. 
Was bedeutete der Verkauf von 1699 für die Unter- tanen? Aufschlussreich ist eine Sage, die Peter Kai- ser erzählt. Wie bereits erwähnt, drängte Graf Ja- kob Hannibal III. zum Verkauf der Herrschaft Schellenberg. 1696 bot er auch den Untertanen den Loskauf von den Herrschaftsrechten an: Die Landschaft könne sich damit gänzlich frei machen und vom Reich trennen. Das Angebot führte zu Dis- kussionen unter den Untertanen. Sie glaubten, die dafür notwendige Summe auftreiben zu können, wenn sich die ganze Landschaft dafür verbürge. Schliesslich traten sie aber auf das Angebot des Grafen nicht ein, weil sie mit Verträgen, die zu- gunsten des Volkes lauteten, schlechte Erfahrung gemacht hatten und weil sie der Meinung waren, dass man ohne Verbindung mit mächtigeren Staa- ten das Recht nicht durchsetzen könne. Als sich später die Verhältnisse verschlimmerten - als be- sonders gravierend wurde die Aufhebung des Ver- gleichs von 1688 betreffend den Steuervertrag emp- funden -, wurde der Landammann, der am ent- schiedensten gegen den Loskauf der Landschaft aufgetreten war, mit Vorwürfen überzogen. Das Volk konnte ihm sein Benehmen nicht vergessen und als er schon längst im Grabe ruhte, entstand die Sage, er könne keine Ruhe finden und müsse als Gespenst die Landschaft auf- und abreiten zur Strafe dafür, dass er sich der Wohlfahrt der Land- schaft widersetzt habe.54 Soweit die Sage, die deutlich macht, dass das Volk nach dem Herrschaftswechsel noch lange mit seinem Schicksal haderte. Ob ein solcher Loskauf, der mit einer Trennung vom Reich verbunden ge- wesen wäre und in der Konsequenz wohl zur Grün- dung einer Republik Schellenberg geführt hätte, historisch überhaupt möglich gewesen wäre, muss bezweifelt werden. 54) Ebenda. S. 424 1'. 26
        

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