DER 18. JANUAR 1699 - WENDEPUNKT UNSERER GESCHICHTE? / PAUL VOGT Spannungen. Die Hintergründe sind nicht bekannt. In seinem Testament vermachte Johann Adam al- len Besitz, soweit es der Familienvertrag von 1606 zuliess, andern Mitgliedern des Fürstenhauses. Va- duz und Schellenberg, die damals noch nicht zum Fideikommiss gehörten und über die der Fürst des- halb frei verfügen konnte, gingen an den Fürsten Joseph Wenzel. Die Tatsache, dass auch diese wirt- schaftlich nicht besonders interessanten Besitzun- gen, die jedoch für die Stellung des gesamten Hau- ses von besonderer Bedeutung waren, nicht an den Regierungsnachfolger Fürst Anton Florian vererbt wurden, zeigt, wie tief das Zerwürfnis zwischen den beiden war. Fürst Anton Florian, der am kaiserlichen Hof eine glänzende Kariere machte, erreichte die Zu- lassung zum Reichstag trotzdem. Dank der kräfti- gen Unterstützung durch Kaiser Karl VI., dessen Erziehung er geleitet und den er in den Jahren zu- vor nach Spanien begleitet hatte, wurde er 1713 auch ohne reichsfürstenmässiges Territorium in den Reichsfürstenrat aufgenommen. Diese Aufnah- me erfolgte jedoch nur «ad personam», das heisst seine Nachfolger konnten daraus keinen Rechtsan- spruch ableiten. Fürst Joseph Wenzel war beim Tod des Fürsten Johann Adam noch minderjährig, seine Vormün- der konnten oder wollten den letzten Willen des verstorbenen Fürsten nicht korrigieren. Am 26. Ja- nuar 1718 wurde Joseph Wenzel für volljährig er- klärt.53 Er und alle Mitglieder des Hauses befanden nun, dass es dem Ansehen und dem Glanz des Hauses zuträglich sei, wenn Vaduz und Schellen- berg, mit denen Sitz und Stimme auf den Reichsta- gen verbunden waren, auf den regierenden Fürs- ten übergingen. Nur wenige Wochen nach seiner Volljährigkeit tauschte Joseph Wenzel daher mit seinem Onkel Anton Florian die beiden Herrschaf- ten gegen die böhmische Herrschaft Rumburg, wo- bei dieser Kauf aus wirtschaftlicher Sicht für Jo- seph Wenzel zweifellos vorteilhaft war. Nach die- sem Tausch wurden Vaduz und Schellenberg sofort zum Fideikommiss geschlagen, das heisst zum un- veräusserlichen Familienbesitz. 
Die grössten Schwierigkeiten auf dem Weg zu Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat waren damit für das Haus Liechtenstein überwunden. Am 23. Ja- nuar 1719, nur zehn Monate nach dem lausch, vereinigte Kaiser Karl VI. die beiden Herrschaften Vaduz und Schellenberg und erhob sie zu einem Reichsfürstentum mit dem Namen Liechtenstein. Als Fürst Anton Florian 1721 starb, hatte sein Sohn Joseph Johann Adam keine Probleme mehr, Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat für das Haus zu sichern. 51) Ebenda, S. 117 ff. 52) Todesdatum nach Herbert Haupt am 10, Juni 1712, nach der Stammtafel von Gustav Wilhelm am 16, Juni 1712. 53) Kaiser. S. 445. 25
        

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