Landesherr in Schellenberg akzeptiert worden wäre - ein Verkauf war wohl nur an Interessenten innerhalb des Reichs bewilligungsfähig. Vom vier- ten Interessenten Fürst Ferdinand von Schwarzen- berg ist keine konkrete Offerte bekannt. Als Graf Waldstein und der Fürst Schwarzenberg vom An- gebot des Fürsten Liechtenstein erfuhren, zogen sie sich zurück. Sein Angebot lag so hoch, dass an- dere nicht mithalten konnten oder wollten. Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein machte übrigens bereits im Jahre 1697 sowohl für Vaduz als auch für Schellenberg ein Angebot, doch ent- schied der Kaiser im Juli 1698, dass vorerst nur Schellenberg verkauft werden sollte. Nach jahre- langen Vorbereitungen kam es am 18. Januar 1699 zum Abschluss des Kaufvertrags für Schellenberg. DER KAUF VON VADUZ Werfen wir nun noch einen Blick auf die Vorgänge bis zum Verkauf von Vaduz. Schon bald zeigte sich, dass durch den Verkauf von Schellenberg allein die Hohenemser nicht saniert werden konnten. Ge- mäss Otto Seger lasteten auf der Grafschaft Vaduz weiterhin Schulden von 53 000 Gulden und auf der Grafschaft Hohenems solche von 60 000 Gulden. In dieser Situation drängten der regierende Graf Ja- kob Hannibal und Fürstabt Rupert von Bodman auf den Verkauf von Vaduz. Mit diesem Verkauf waren jedoch nicht alle Verwandten des Grafen einver- standen, insbesondere verweigerte Graf Franz Ma- ximilian von Königsegg-Aulendorff als Vormund des bereits erwähnten Franz Wilhelm III. - des Sohns von Aloisia geborene Liechtenstein - seine Zustimmung. Er berief sich darauf, dass Vaduz zum hohenemsischen Fideikommiss gehöre und deshalb nicht verkauft werden dürfe.51 Eine Lösung, mit der schliesslich auch der Vor- mund sofort einverstanden war, ergab sich mit dem Erwerb der böhmischen Herrschaft Bistrau. Diese befand sich wegen der Verschuldung der Be- sitzer, der Grafen von Walderode, unter kaiserli- cher Zwangsverwaltung und stand zum Verkauf. Jakob Hannibal bemühte sich darum. Er ersuchte 
den Kaiser um das Incolat, das heisst um die böhmische Landmannschaft (vereinfacht um das Heimatrecht), damit er diese Herrschaft erwerben konnte. Der Kaiser gewährte dies 1708, im glei- chen Jahr bewilligte er auch die Übertragung des Fideikommisses von Vaduz auf Bistrau. Nachdem der Graf selber kein Geld für den Kauf hatte, wurde das Ganze so arrangiert, dass Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein die Herrschaft kaufte und sie dann gegen Vaduz tauschte. Die kaiserliche Bewilligung dazu erfolgte 1710. Damit wären eigentlich alle Hindernisse für den Erwerb von Vaduz durch Fürst Johann Adam be- seitigt gewesen. Doch nun wollte der Fürst nicht mehr. Er hatte bereits 1707 dem Schwäbischen Reichskreis, der sich in ständiger Geldnot befand, als Ersatz für ein reichsfürstenmässiges Territori- um ein Darlehen von 250 000 Gulden gewährt und dafür das Recht zur Teilnahme an den Kreistagen erhalten. Er erkaufte sich mit diesem Darlehen Sitz und Stimme. Danach zeigte er immer weniger In- teresse an Vaduz und musste schliesslich vom Kai- ser geradezu dazu gezwungen werden. Andere In- teressenten für Vaduz wurden gar nicht gesucht. Der Fürst machte allerlei Einwände und zögerte den Kauf um zwei Jahre hinaus. Am 22. Februar 1712 liess er dann den Kaufvertrag für Vaduz doch durch seinen Anwalt unterzeichnen. Am 9. Juni 1712 huldigten die Untertanen in Vaduz dem neu- en Landesherrn. Am folgenden Tag starb Johann Adam Andreas von Liechtenstein völlig unerwartet bei einem Spaziergang an einem Herzversagen.52 DIE ERHEBUNG ZUM REICHSFÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN Um die Vorgänge noch etwas abzurunden, soll hier noch ein kurzer Ausblick auf die Zeit bis zur Erhe- bung der beiden Herrschaften zum Reichsfürsten- tum Liechtenstein im Jahre 1719 folgen. Fürst Jo- hann Adam verstarb ohne überlebende männliche Nachkommen, so dass die Regierung gemäss Fami- lienvertrag an Fürst Anton Florian überging. Zwi- schen diesen beiden Fürsten bestanden erhebliche 24
        

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