vor allem der Verwaltung seiner Güter und kultu- rellen Aufgaben. In den Instruktionen an seinen Sohn Johann Adam Andreas erklärte er Misstrauen gegenüber den Beamten und Bediensteten zu einer Kardinaltugend. Der Fürst solle mit straffer Hand führen, sonst werde er bei jeder Gelegenheit betro- gen und bestohlen. Deshalb empfahl er seinem Sohn, nicht in kaiserliche Dienste zu treten. Er hin- terliess Johann Adam Andreas ein beträchtliches Vermögen, auch wenn darauf rund 800 000 Gulden Schulden lasteten.43 DER ERFOLGSMENSCH JOHANN ADAM ANDREAS Im Gegensatz zu seinem Vater suchte Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein ganz entschieden die Nähe zum Kaiserhof, auch wenn er nie für län- gere Zeit Ämter am Hof übernahm. Als er 1684 die Regierung antrat, gingen eben die Türkenkriege zu Ende. Wien, bis dahin wiederholt von den Türken bedroht, erlebte einen raschen Aufschwung und wurde definitiv zur Metropole des Reiches. Hatten die Liechtenstein bis dahin in Feldsberg und Eis- grub residiert, so sah Johann Adam den Zeitpunkt gekommen, einen standesgemässen Palast in Wien - ganz in der Nähe der kaiserlichen Hofburg - zu erwerben. Er ging als Erbauer der barocken Palais- bauten an der Bankgasse und in der Rossau in die Geschichte ein, ebenso als eifriger Kunstsammler. Vor allem aber machte er sich einen grossen Na- men als Reorganisator der liechtensteinischen Gü- terverwaltung. Er schränkte die Hofhaltung ein, re- duzierte die Zahl der Beamten und Diener dras- tisch - gemäss Jakob von Falke glaubte er, dass auf den Herrschaften kaum ein Drittel der Beamten nötig sei.44 Er sparte aber nicht nur, er suchte auch den Ertrag jeder einzelnen Herrschaft zu verbes- sern. Ohne Rücksicht auf die Untertanen suchte er mehr aus den Gütern herauszuwirtschaften. Er er- höhte die Robotleistungen gewaltsam und erhöhte ganz allgemein die Lasten der Bauern. Im Jahre 1705 rebellierten deshalb die Bauern in 178 Ge- meinden gegen den Fürsten und reichten beim Kai-ser 
Bitt- und Beschwerdeschriften ein. Dieser ent- schied jedoch in allen wesentlichen Punkten zu Gunsten des Fürsten.45 Johann Adam Andreas gelang es in wenigen Jahren, die Schulden seines Vaters zurückzuzah- len. Ausserdem war er schon bald in der Lage, dem Kaiser beträchtliche Darlehen in der Höhe von mehreren Hunderttausend Gulden zu geben. Wäh- rend seiner knapp 30-jährigen Regierungszeit kauf- te er einen Besitz um den andern, baute Wirt- schaftsgebäude, Schlösser und Parkanlagen. Der phänomenale wirtschaftliche Erfolg des Fürsten wurde schon von seinen Zeitgenossen zur Kenntnis genommen, so dass sie ihm den Beinamen «der Reiche» gaben. VORBEREITUNGEN ZUM KAUF VON SCHELLENBERG Wie Otto Seger gezeigt hat, begann Johann Adam um 1690 energisch mit der Suche nach einer Reichsherrschaft46 - und auch hier war er bald er- folgreich. Wann Johann Adam von der Möglichkeit dieses Kaufs erfuhr, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Otto Seger schreibt, dass der Fürst im Jahre 1697 vom Anwalt des Grafen von Hohenems über den geplanten Verkauf informiert wurde: Wahr- scheinlich erhielt er zu diesem Zeitpunkt bereits konkrete Angaben zu den vorliegenden Verkaufspro- jekten. Johann Adam habe dann in dieser Sache mit dem Fürsten Anton Florian korrespondiert, der über grossen Einfluss am kaiserlichen Hof verfügte. Dieser sei von der Möglichkeit, Sitz und Stimme im Reichstag zu erlangen, begeistert gewesen und ha- be den Fürsten ermutigt.47 Es ist aber wahrscheinlich, dass den Fürsten von Liechtenstein die Probleme im Hause Hohenems schon lange vorher bekannt waren. In diesem Zu- sammenhang muss auf die Heirat im Jahre 1691 zwischen Aloisia Josepha von Liechtenstein und dem Grafen Franz Wilhelm von Hohenems, dem jün- geren Bruder des regierenden Grafen Jakob Han- nibal, hingewiesen werden. Diese Ehe dauerte aller- dings nur vier Monate, weil der Graf schon kurz 20
        

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