NATURWISSENSCHAFTLICHE METHODEN ZUR BESTIMMUNG DER REIBSCHALEN Eine Zuweisung an bestimmte Töpfereien ist also nach rein morphologischen Kriterien sicher nicht möglich. Nachdem aber die Resultate von che- misch-petrographischen Analysen der Ateliers von Rohrbach-Stätzling, von Lochau, und von verschie- denen norditalischen Töpfereien vorliegen, schien es sinnvoll, einige glasierte Reibschalen aus Schaan zu beproben.15 Von acht Reibschalenfragmenten wurden Proben entnommen und im Februar 1999 am Institut für anorganische Chemie der Freien Universität Berlin von Gerwulf Schneider chemisch und petrographisch untersucht. Der «Gruppe A» gehörten sechs Proben an. Darunter befanden sich zwei Proben von Reibschalen, die durch ihre spezi- elle Form von Katrin Roth-Rubi mit ähnlichen Schüsseln von Castelseprio in der Gegend von Va- rese in Verbindung gebracht worden sind.16 Die Resultate der chemischen Analyse (siehe Tab. 1) lieferten zwei chemisch unterschiedliche Gruppen. Die chemische Zusammensetzung der Reibschalenproben der «Gruppe B» entsprechen tatsächlich der Referenzgruppe von Rohrbach- Stätzling. Die anderen Proben gehören, obwohl sie von Reibschalen unterschiedlicher Form entnom- men worden sind, einer homogenen chemischen Gruppe an. Eine passende Referenzgruppe konnte aber dafür noch nicht gefunden werden. Zwei Gruppen zeigten auch die Resultate der pe- trographischen Untersuchung, die mittels Dünn- schliff durchgeführt wurde (siehe Abb. 3). Die Un- terschiede von «Gruppe A» und «Gruppe B» treten unter dem Mikroskop aber weniger deutlich her- vor. Im Ton der «Gruppe A» zeigt sich sehr viel Glimmer: Muskovit und etwas weniger Biotit, Ein- schlüsse von Quarz, Plagioklas, und Hornblende. Sehr feinen Glimmer, davon überwiegend Hellglim- mer und wenig Biotit, Einschlüsse von eckigem wie auch kantengerundetem Quarz und Eisenkongre- tionen beobachtet man in den Dünnschliffen der «Gruppe B». Typische Minerale sind Hornblende, Granat und Epidot. Wenn auch diese mineralogi- schen Zusammensetzungen keine sichere Zuwei-sung 
an eine bestimmte Region erlauben, so schliessen sie doch eine mögliche Herkunft der Reibschalen aus dem Alpenraum sowie auch aus Norditalien nicht aus. Im Jahre 1981 haben Paul Arthur und David Williams17 dreiundzwanzig Pro- ben von glasierter spätantiker Keramik aus ganz Europa, darunter auch zwei aus Schaan, petrogra- phisch untersucht. Als Ergebnis dieser Untersu- chungen konnte festgehalten werden, dass glasier- te Keramik an vielen Orten produziert worden ist, und nicht wie damals vermutet, nur begehrtes pan- nonisches Exportgut war. Die Schaaner Proben gehörten beide der «Gruppe A» an. Diese wurden von Paul Arthur und David Williams mit «fabric H» bezeichnet. Ein korrespondierendes Fabrikat konn- te aber nicht gefunden werden. ZUR DATIERUNG DER SCHAANER REIRSCHALEN Die Datierung der spätantiken glasierten Keramik wurde von Doris Ebner18 ausführlich diskutiert. Demzufolge scheint in Rätien glasierte Ware zwi- schen der Mitte und dem Ende des vierten Jahr- hunderts produziert worden zu sein. In Lochau bei Bregenz dürfte die Produktion bis um 380 nach Christus gedauert haben. Verschiedene Fundum- stände, die Ebner in ihrer Arbeit skizziert, lassen vermuten, dass die Form der «Gruppe A» in Stätz- ling früher als die der «Gruppe B» produziert wor- den ist. Für letztere nimmt die Autorin eine Entste- hungszeit in den letzten beiden Jahrzehnten des vierten Jahrhunderts an. In Liechtenstein gibt es jetzt noch keinen Beleg für das Vorkommen von glasierten Reibschalen vor der Mitte des vierten Jahrhunderts. Auf der befestigten Höhensiedlung des Krüppels, die bislang als Vorgänger des Kas- tells Schaan gilt und deren Münzreihe im Jahre 354 nach Christus endet, wurde nur ein glasierter Krug, aber keine einzige glasierte Reibschale, ge- funden.19 Auch die Keramik der Grabung Amts- haus in Balzers, die in den Jahren 1995 und 1996 durchgeführt worden ist, lieferte kein einziges Ex- emplar einer glasierter Reibschale. Die Fundmün- 236
        

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