SPÄTANTIKE GLASIERTE REIBSCHALEN AUS LIECHTENSTEIN / VERENA HASENBACH DIE GLASIERTEN REIBSCHALEN VON SCHAAN: ELISABETH ETTLINGERS GRUPPEN Elisabeth Ettlinger hat in ihrer Publikation von 1959 die glasierten Reibschalen aufgrund von Form, Farbe und Tonbeschaffenheit zwei unter- schiedlichen Gruppen zugewiesen. Kennzeichen ihrer «Gruppe A» ist ein ziegelroter, glimmerhalti- ger und poröser Ton. Die Glasur ist dick und reicht bis zum Gefässrand. Die Farbe variiert von gelb, oüvgrün bis braun. Die Gefässwand ist meist relativ dick und leicht gerundet, der Kragen meist breit und «fleischig». Die «Gruppe B» ist durch einen bräunlich-gelblichen, stark glimmerhaltigen Ton mit grauem Kern charakterisiert. Die dünne Ge- fässwand verläuft konisch, der Kragen erscheint schmal und leicht hängend. Die grünliche Glasur reicht meist nur bis einige Zentimeter unter den Rand. Auf dieser Gruppeneinteilung fussen seitdem die meisten Beschreibungen von glasierten Reib- schalen, die in Rätien gefunden wurden. Die Grup- penunterteilung diente schliesslich als Argument für die unterschiedliche Herkunft dieser Reibscha- len.10 SPÄTANTIKE TÖPFEREIEN - MÖGLICHE LIEFERANTEN FÜR LIECHTENSTEIN Die Magisterarbeit von Doris Ebner11 über die spät- antike Töpferei von Stätzling (Landkreis Aichach- Friedberg), die auf der Grundlage des dort gefunde- nen Töpfereiausschusses entstand, zeigte schliess- lich, dass am selben Ort in dieser Zeit sehr unter- schiedliche Reibschalen produziert worden sind. Nach den Kriterien der Ettlingerschen Gruppenein- teilung Hessen sich diese nicht so eindeutig fassen. Ausgehend von der bei Herstellung der Reibscha- len angewandten Technik entstand ein neuer For- menkatalog. Doris Ebner stellt in ihrer Arbeit aus- serdem das Inventar eines anderen Töpferateliers, das aus liechtensteinischer Sicht besonders inter- essant zu sein scheint, vor. Diese Töpferei, die schon im Jahre 1912 entdeckt worden ist, liegt in Lochau bei Bregenz.12 Die Lochauer Reibschalen 
entsprechen formal mehrheitlich der «Gruppe A». Fragmente, deren Form an die der «Gruppe B» er- innern, sind dort aber ebenfalls vorhanden.13 Wendet man sich hingegen nach Norditalien, wo ebenfalls glasierte Reibschalen in spätantiker Zeit produziert worden sind,14 beobachtet man dort ebenfalls eine grosse Formenvielfalt - im übrigen nicht nur bei den Reibschalen. Bei der Durchsicht der Publikationen entdeckt man auch Formen, die sowohl der «Gruppe A» wie auch der «Gruppe B» ähnlich sind. Es scheint fast, als ob in spätantiker Zeit weniger Wert auf Einheitlichkeit in der Form- gebung von Keramik gelegt wurde. 6) Liesen/Pirling (1998). 7) Cathma (1992). 8) Schweitzer (1977). 9) Liesen/Pirling (1998), S. 722-724. 10) Roth-Rubi (1985). 11) Ebner (1997). 12) Hild (1919). 13) Diese Funde selbst mit eigenen Augen zu sehen und in die Hand zu nehmen, hatte ich auf einer Reise zusammen mit Katrin Roth- Rubi nach Bregenz und Friedberg bei Augsburg die Gelegenheit. Dabei konnte ich folgendes beobachten: Die Vielfalt der Formen ist an beiden Orten gross. Es entstand fast der Eindruck, dass mit den Formen experimentiert worden ist. Desgleichen wurden auch ver- schiedene Dekors ausprobiert, die manchmal an norditalische Wa- ren denken lassen. In beiden Töpfereien wurden zudem sehr grosse Reibschüsseln angefertigt (ein Durchmesser bis zu 70 cm liesse sich wohl rekonstruieren bei einer Stärke bis zu 5 cm), die aber offen- sichtlich, wohl wegen ihrer enormen Grösse, nicht exportiert wor- den sind. Weder in Liechtenstein noch in der Schweiz sind bis jetzt solche zu Tage gekommen. Der heute sandige gelblich-orange Ton der Lochauer Reibschalen, dessen Magerung fast nicht sichtbar ist und zudem nahezu keinen Glimmer enthält, unterscheidet sich we- sentlich von den in Liechtenstein gefundenen. Der Ton der Reibscha- len im Schlossmuseum Friedberg hingegen zeigt optisch grosse Ähn- lichkeit mit den Liechtensteiner Funden, besonders auch mit der so- genannten «Gruppe A». Für ihr Entgegenkommen und die Bereit- stellung der Funde möchte ich bei dieser Gelegenheit Herrn G. Grab- herr vom Vorarlberger Landesmuseuni Bregenz, Herrn H. Stichroth und Herrn H. Beil vom Schlossmuseum Friedberg danken. 14) Paroli (1992). 235
        

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