SPÄTANTIKE GLASIERTE REIBSCHALEN AUS LIECHTENSTEIN / VERENA HASENBACH Zeugnisse aus der Spätantike sind im Fürstentum Liechtenstein altbekannt, wie etwa die Höhensied- lung auf dem Krüppel oberhalb Schaans oder das spätrömische Kastell in Schaan. Daneben sind im- mer wieder vereinzelt Kleinfunde aus dieser Zeit zu Tage gekommen. Diese Fundinventare beinhalten beispielsweise Münzen, Zwiebelknopffibeln, Lavez- gefässe und Keramik. Von spätantiker Keramik kennt man in Liechten- stein bis jetzt vor allem importierte Ware, so etwa Terra Sigillata aus den Argonnen und aus Nordafri- ka oder glasierte Keramik. Woher die glasierte Ware damals bezogen wurde, steht noch nicht fest. Daher soll im Folgenden dieser Frage, die ja zu- gleich eine Frage nach spätantiken Handelsbezie- hungen ist, nachgegangen werden. Im Kastell Schaan sind bei Ausgrabungen in den späten 1950er Jahren Fragmente von 36 glasierten Reibschalen,1 und in Triesen-Meierhof von einer glasierten Reibschale gefunden worden.2 Elisabeth Ettlinger hat damals die Schaaner Keramik bear- beitet.3 Ihre Abhandlung über die glasierten Reib- schalen des Kastells Schaan wird seitdem in nahe- zu allen Publikationen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, zitiert. In der Folge soll daher erör- tert werden, inwieweit diese Arbeit nach den heuti- gen Forschungsmöglichkeiten noch Gültigkeit hat. Mein Dank geht an die Fachstelle Archäologie des Liechtensteiner Hochbauamts, die mir ermöglicht hat, dieses Material zu studieren, an die Mitarbei- ter des Liechtensteinischen Landesmuseums Paul Frick und Thomas Müssner, die mir bei der Probe- nentnahme behilflich waren, sowie an Anne Hoch- uli-Gysel und Katrin Roth-Rubi für Anregungen und Diskussion. Gerwulf Schneider von der Freien Universität Berlin besorgte die chemischen und pe- trographischen Analysen. Ich danke ihm für seine Erläuterungen und Hinweise. Meine Schwester Do- minika Nordholm schuf die Katalogzeichnungen. Für ihre selbstlose Arbeit bin ich ihr zu grossem Dank verpflichtet. 
GLASIERTE KERAMIK - EINE VERGESSENE TECHNIK KOMMT WIEDER IN MODE Die Technik des Glasierens von Keramik, deren Ur- sprung in Mesopotamien liegt, wurde in späthelle- nistisch-römischer Zeit vor allem in Kleinasien zur Herstellung von Luxusgeschirr verwendet. Getrie- bene Silbergefässe waren wohl Vorbild für diese Waren. Neben kleinasiatischen Werkstätten stellten auch Betriebe in Oberitalien und Mittelgallien4 bis ins erste Jahrhundert nach Christus bleiglasierte Keramik her.5 Im dritten und vierten Jahrhundert - je nach Region - wurde diese Technik wieder auf- gegriffen. Der dekorative Aspekt der Glasur rückte in den Hintergrund, es war die praktische Handha- bung glasierter Keramikoberflächen, die nun als vorteilhaft empfunden wurde. Häufig trifft man gla- sierte Ware in den römischen Provinzen auf dem Balkan, in Österreich, Bayern, in der Schweiz und 1) Reibschalen wurden während der ganzen römischen Epoche als Küchengeräte benützt. Es gab sie in verschiedensten Ausführungen gemäss den Vorlieben der jeweiligen Zeit. Gemeinsam ist ihnen aber allen eine durch einen Steinchenbelag aufgerauhte Innenfläche. Auf dieser wurden mit Hilfe eines hölzernen Stössels Kräuter und Gewürze zu Sössen verrieben. 2) Overbeck (1982), S. 117 f. Die teilweise durch Sekundärbrand stark veränderten Fragmente wurden dort irrtümlich als zwei Reibschalen angesprochen. 3) Ettlinger (1959). 4) Desbat(1995). 5) Hochuli-Gysel (1998), S. 63 ff. 233
        

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