FL-PFADFINDERSCHAFT UND JÜDISCHE KINDER ZUR ZEIT DES NATIONALSOZIALISMUS / KLAUS BIEDERMANN ET AL. Im Laufe der Interviews wurden uns immer wei- tere Namen von Personen genannt, die uns mögli- cherweise Auskunft geben konnten. Für das Entge- genkommen und die Offenheit der Interviewpart- nerinnen und -partner11 möchten wir uns an dieser Stelle recht herzlich bedanken. Je ein Interview führten für uns Leo Büchel, Schellenberg, sowie Paul Büchel, Ruggell. Auch ihnen ein herzliches Dankeschön. Darüber hinaus danken wir Peter Geiger, Schaan, für die kritische Durchsicht des Manuskripts. FRAGEBOGEN Nachstehend sind die Richtfragen, welche als Basis für das Gespräch mit den Zeitzeuginnen und -zeu- gen dienten, angeführt. 1. Weisst Du von jüdischen Kindern, die gerne zu den Pfadfinder/innen gegangen wären und abge- lehnt wurden? 2. Wurde jüdischen Kindern im Verlaufe der 1930- er und 1940er Jahre der Austritt aus dem Pfadfin- der/innenverband nahegelegt? 3. Wurden innerhalb der Pfadfinderschaft antise- mitische Äusserungen oder Witze gemacht? 4. Falls Juden Mitglieder Deiner Gruppe waren, mussten sie sich anpassen oder durften sie ihre Re- ligion frei ausleben? 5. Hat der Pfadfmder/innenverband damals zum Antisemitismus offiziell Stellung bezogen? 6. Wir wissen, dass vereinzelt jüdischen Kindern der (definitive) Beitritt zu den Pfadfinder/innen ver- weigert wurde. War ein solches Vorgehen - vom Verband offiziell empfohlen worden? - vom Verband zwar nicht empfohlen, aber doch schweigend toleriert? - ohne Wissen des Verbandes geschehen? 
ERGEBNISSE AUS ARCHIVQUELLEN UND LITERATUR Die Quellenarbeit umfasste die Sichtung des Ver- bandsarchivs der «Pfadfinder und Pfadfinderinnen Liechtensteins» (APPL) sowie die Einsichtnahme in verschiedene Dokumente des Liechtensteinischen Landesarchivs (LLA). Als weitere Quelle liegt in ge- druckter Form die seit 1944 erschienene Pfadfin- der-Zeitschrift «Die Jugend» vor. Als Literatur zum Thema dienten das 1981 er- schienene Jubiläumsbuch «50 Jahre Pfadfinder in Liechtenstein 1931-1981. Fotos, Originaltexte und Dokumente» sowie das bereits genannte Werk von Peter Geiger «Krisenzeit. Liechtenstein in den Dreis- sigerjahren 1928-1939» (2 Bände, 1997). Die Sichtung der Quellen brachte nur magere Ergebnisse. Durch Peter Geigers Werk inzwischen bekannt sind die antisemitischen Umtriebe des da- maligen Pfadfinderführers und Feldmeisters Carl von Vogelsang, die unten kurz dargestellt werden.12 Das Agieren von Vogelsang ist jedoch - wie sich noch zeigen wird - nicht repräsentativ gewesen für das Verhalten der gesamten Pfadfinderschaft zur damaligen Zeit. Vogelsang stand der 1932 neu gegründeten Pfadfinderabteilung von Vaduz vor. Heikel wurde es für ihn in erster Linie, weil er sich kurz darauf 8) «Liechtensteiner Woche» (Liewo) vom 30. November 1997. Der Reisepass von Lotte Weil ist abgebildet bei: Geiger, Krisenzeit 2, S. 454. Vgl. auch die Ausführungen von Geiger ebenda, S. 446. 9) «Rover»: Die vierte Altersstufe innerhalb der Pfadfinderschaft (Mitgliedschaft ab dem Alter von zirka 18 Jahren). 10) Antwortschreiben von Fritz Baum, heute in Vaduz lebend, vom 14. Januar 1998 an Lukas Laternser, den Präsidenten der PPL, auf dessen weiter unten zitiertes Schreiben vom 7. Januar 1998. 11) Toni Batliner, Fritz Baum, Resi Brendle, Cyrill Büchel, Johann Büchel, Leo Büchel, Erwin Elkuch, Rösle Frick, Marie-Therese Füllemann-Vogt, Hugo Gassner. Adulf Peter Goop, Elsa Hasler, Ida Hasler-Beck, Alfred Hübe, Josef Hoop, Edmund Kaufmann t, Lotte Konrad, Helmut Kranz, Melitta Marxer-Kaiser, Lotte Rogers-Weil, Milly Sele-Vogt, Emanuel Vogt t, Walter Wenaweser. 12) Zum Wirken Vogelsangs siehe: Geiger, Krisenzeit 1, S. 372 ff. 221
        

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