«BEMERKUNGEN ÜBER DEN SOGENANNTEN MILZ- BRAND ...» / RUDOLF RHEINBERGER sor Herrn Dr. Schmiederer Gelegenheit hatte. /Nachtrag für 1802 wie letztes Blatt/. Im Jahre 1803 hauste der Milzbrand in Bayern, Westpreus- sen und in mehreren teutschen Provinzen, und auch in meinem Vatterlande und benachbarten Vorarl- berg, dessen Beschreybung unten folgen würd. Die Geschichte liefert uns, wie wir gesehen ha- ben, von der ältesten Urzeit bis auf unsere Tage Beyspiele, wo Seuchen zu gleicher Zeit Menschen, und Thiere befielen oder von Thieren auf die Men- schen übertragen wurden. Der Dunkel damaliger Zeit 6) in wissenschaftlicher Hinsicht macht uns weder mit Namen noch den Erscheinungen, und selten mit den Ursachen derselben bekannt und lässt uns also ungewiss, ob Mos Ansteckung von Thieren auf Menschen, oder allgemein schädlichwürkende Ein- flüsse auf den gemeinschaftlichen thierischen Or- ganismus dieselben hervorgebracht haben. Im Jahre 1803, wie ich früher bemerkte, hatte ich nicht nur Gelegenheit, den in meinem Vaterlan- de, der Herrschaft Schellenberg, meinem damali- gen Amtsbezirke, ausgebrochenen Milzbrand, son- dern auch eine bösartige, schnell laufende Krank- heit an Menschen zu beobachten und zu behan- deln, die ich für die Schwarzeblatter oder den Milzbrandkarbunkel hielt. Ich werde Ihnen in einer folgenden Abhandlung mehrere Krankheitsge- schichten dieser Letzteren mit- 7) theilen und Ihnen das Unheil meiner hierinfalls gefällten Diagnose anheimstellen. Auf starke Re- gengüsse, welche zum Theil schon Ende Juny und bis gegen die Mitte July sich ergossen, folgten in den niederen, dem Rheine nach gelegenen Triften, der gewöhnlichen Waideplätze unserer Pferde und [unseres] Hornviehes, starke Überschwemmungen, die auf dem Moosgrunde, aus dem unsere Allmei- nen grossentheils bestehen, vielen Schlamm und stehendes Wasser zurück Hessen. Eine sehr grosse, schwüle Hitze, die unmittelbar darauf folgte, ent- wickelte in dem stehend und in Fäulung überge- henden Wasser eine die Geruchsorgane beleidigen- de sehr verdorbene Luft. Die ungewöhnliche Hitze, das schlammichte Futter und die sehr verdorbene 
Luft, waren ganz geeignet, eine der verderblichs- ten Seuchen hervorzurufen. Gegen Ende July kün- digte sich auch selbe durch tägliche Wegraffung mehrerer Opfer an. Im Anfang befiel sie meistens 8) Pferde, und zwar nur die wohlgenährtesten, jüngsten und stärksten, und so schnell, dass selbe oft noch Futter im Maul, ohne vorhergegangene Spur von Kranksein tot auf der Waide oder im Stall gefunden wurden. Diese schnelle Tödlichkeit machte, dass die Krankheit nicht beobachtet wer- den konnte. Es mussten, um Aufschluss davon zu erhalten, die Gefallenen geöffnet werden. Eine 5jährige, starke Stutte war die erste, welche von dem Abdecker in meiner und eines Ortsrichters Ge- genwart geöffnet und untersucht wurde. Sie war stark aufgelauffen obwohlen sie erst 7 Stund todt war; Aus Maul und Nasen floss aufgelöstes, mit Schleim vermischtes schwarzes Blut; die Muskeln des Bauches waren dunkelroth; das Fettgewebe war gelb und sulzicht. Besonders sulzicht war die Geschwulst an der Brust, aus der bey der Öffnung ziemlich viel gelber, klebichter Jauche floss. Ebenso war auch in der Bauch- und Brusthöhle viel gelbes Wasser. Die Gedärme hatten mehrere schwarz- braune Flecken. Die Magen waren mit unverdau- tem Futter angefüllt, die Milz sehr mürbe, aufge- dunsen und voll schwarzen Blutes. Die Leber war ebenfalls ...».24 22) «ßüzel»; Umgangssprachlich für «Pickel», frühere Bedeutung auch «Tumor»; vgl. Grimm. Jacob und Wilhelm. Deutsches Wörter- buch. Leipzig, 1860. Band 2. Spalte 591. 23) Die Nummern am Anfang eines Abschnittes verweisen auf die Originalpaginierung. 24) Hier endet das Manuskript-Fragment. 215
        

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