VOM MILZBRAND ALS ANSTECKENDER KRANKHEIT 
SCHÄDLER NIMMT BEZUG AUF DIE UNTER- LÄNDER MILZRRAND-SEUCHE Die Krankheit wird bei Mensch und Tier verursacht durch den sogenannten Milzbrandbazillus, der im Jahre 1876 von Robert Koch entdeckt wurde. Es handelt sich um ein relativ grosses, sehr wider- standsfähiges Bakterium, das unter Sporenbildung jahrzehntelang selbst unter ungünstigen Bedingun- gen überleben kann. Die Ansteckung erfolgt durch Nahrungsaufnahme, durch Inhalieren oder durch die verletzte Haut. Der Anthraxbazillus kann zum Beispiel viele Jahre in trockenem Boden in Sporen- form verharren und - wenn die äusseren Bedin- gungen günstig werden - also bei feuchter Wärme, in eine vermehrungsfähige und virulente Form übergehen. Alle Haustiere, besonders aber Ziegen, Schafe, Rinder und Pferde können von der Krankheit «Milz- brand» befallen werden. Der «Milzbrand» kann aber auch beim Men- schen auftreten. Bei ihm zeigt er sich meist in Form des «Milzbrandkarbunkels», übertragen durch Ver- letzung der Haut, zum Beispiel bei Abdeckern, Ger- bern, Metzgern oder Wollarbeitern. Aber auch die Ansteckung durch Inhalieren ist beim Menschen bekannt und führt ohne Antibiotika zu einer meist tödlich verlaufenden Lungenentzündung. Es sind erst gut 20 Jahre her, dass in der Schweiz eine ei- gentliche Milzbrandepidemie mit 25 Fällen aufge- treten ist.19 Die von der Krankheit Befallenen arbei- teten alle in einem Textilbetrieb, welcher aus Paki- stan importiertes Ziegenhaar verarbeitete. Bei 24 der 25 Fälle trat die Krankheit als Milzbrandkar- bunkel und bei einem als Lungenaffektion auf. Als wirksame Therapie bewährte sich die Anwendung von Antibiotika, vorwiegend von Penicillin G. 
Die Ansteckung bei den Haustieren erfolgt in der Regel durch die Nahrungsaufnahme. Ein geradezu klassisches Beispiel war der Seuchenausbruch in Ruggell im Jahre 1803, wie er von Gebhard Schäd- ler beschrieben wird. Vorausgegangen waren von Ende Juni bis Mitte Juli 1803 anhaltende Regen- güsse, welche den Rhein über die Ufer treten Hes- sen, so dass die Weiden gänzlich unter Wasser standen. Anschliessend trat eine längere, intensive Hitzeperiode auf, welche das auf den Wiesen ste- hende Wasser in einen übelriechenden Morast ver- wandelte. Das war ein guter Nährboden für spo- renbildende Mikroorganismen, wie es zum Beispiel die Milzbrandbazillen sind. Natürlich trieb man das Vieh und die Pferde wieder auf die Weiden, sobald diese einigermassen abgetrocknet waren, und die vermehrungsfähigen Milzbrandbakterien wurden von den weidenden Tieren mit der Nahrung aufge- nommen. Die Ansteckung war damit erfolgt. Mag. Gebhard Schädler hat seine damaligen Be- obachtungen wissenschaftlich verarbeitet und in einen logischen Zusammenhang gestellt. Obwohl man zu seiner Zeit noch keinerlei Kenntnis von mi- krobiellen Lebewesen hatte, zog er die richtigen Schlüsse aus seinen Beobachtungen. In seinem Referat macht Schädler zunächst ei- nen geschichtlichen Rückblick bis ins frühe Alter- tum und führt alle Seuchenzüge an, von denen er glaubt, sie dem Milzbrand zuordnen zu können. Es sind Seuchen, an denen sowohl Menschen wie auch Tiere erkrankten. Er hebt hervor, dass der 
Milzbrand «durch In- fektion auf den Menschen übertragbar» ist und bei ihm «die Schwarzblatter oder den Milzbrandkar- bunkel erzeuget». Seine Feststellungen gründet er auf eigene Erfahrungen, die er während seines Stu- diums in Freiburg im Jahre 1796 machen konnte. Dort hatte sich nach dem Rückzug des französi- schen Heeres unter General Moreau 1795/96 der Milzbrand rasch ausgebreitet und Professor Schmie- derer, welcher an der Universität Freiburg sowohl «Thierarzney» lehrte als auch «Medizinisch-prakti- 212
        

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