«BEMERKUNGEN ÜBER DEN SOGENANNTEN MILZ- BRAND ...» / RUDOLF RHEINBERGER Jahre 1801 aufnahm. Er ergriff auch die Initiative zur Einführung des Impfobligatoriums in unserem Lande im Jahre 1812, womit Liechtenstein zu den ersten Staaten zu zählen ist, welche diese Mass- nahme gesetzlich einführten. REFERATE FÜR DIE GRAURÜNDNER ÄRZTE- GESELLSCHAFT Wir sehen, dass Gebhard Schädler sehr aufge- schlossen gegenüber echten wissenschaftlichen Neuerungen war. Als im Jahre 1820 die «Ärztliche Gesellschaft des Kantons Graubünden» gegründet wurde, trat er dieser noch im selben Jahre bei. Er- klärtes Ziel der Gesellschaft war «Die wissenschaft- liche Beförderung der ärztlichen Kunst».15 Die Ge- sellschaft versammelte sich jährlich ein- bis zwei- mal ganztägig und zwar meistens in Chur, wobei die Mitglieder im Turnus Referate über aktuelle medizinische Themen halten mussten. Schädler beteiligte sich eifrig an diesem wissenschaftlichen Gedankenaustausch. So referierte er 1821 über «Schwangerschaftsvorsorge», 1822 über den «Milz- brand bei Pferden und Hornvieh», weiter im nächs- ten Jahr über «Carbunkel beim Menschen»,16 dann über «Die Wirkung des schwarzen Caffees mit Opi- um», «Somnambulismus», «Die Geschichte einer Pemphigus-Familie17 in Sevelen im Canton St. Gal- len», «Eine sehr frühe Menstruation eines Mäd- chens von 7 Jahren u. 5 Monaten», «Eine Colchici- autumnalis-Vergiftung» und schliesslich im Jahre 1831 über «Einen durch Steinwurf in die Leberge- gend getödeten Knaben». Der Vorstand der Graubündner Ärztegesell- schaft scheint von diesen neun Referaten dasjenige über den «Milzbrand bei Pferden und Hornvieh» als besonders wertvoll angesehen zu haben, denn er sandte es im Jahre 1827 zusammen mit einigen anderen ausgewählten Vorträgen der Vorjahre an die Ärztegesellschaft in Zürich ein. Dies geht aus dem Protokollbuch des Graubündner Ärztevereins hervor.18 Nun war mir schon seit Jahren das Manuskript- fragment eines Vortrages über das Thema «Milz-brand» 
bekannt, welches im Landesarchiv unter «Schädler-Akten Nr. 241» eingeordnet ist. Als ich im Churer Staatsarchiv die Bestände des Grau- bündner Ärztevereins sichtete, sah ich sofort, dass es sich dabei um die ersten acht Seiten jenes Refe- rates handelte, welches Gebhard Schädler im Jahre 1822 vor der Graubündner Ärztegesellschaft gehal- ten hat. Ich habe natürlich auch versucht, das Manu- skript-Exemplar des Vortrages, welches im Jahre 1827 nach Zürich gesandt wurde, im Archiv der Zürcher Ärztegesellschaft ausfindig zu machen, doch blieben meine diesbezüglichen Nachfor- schungen bisher leider erfolglos. Es sind jedoch die im Liechtensteinischen Landesarchiv vorhandenen acht Seiten des Referates so aussagekräftig, dass es sich lohnt, darauf näher einzugehen. Bevor ich mich mit der Arbeit Gebhard Schädlers näher aus- einandersetze, ist es jedoch nötig, die Krankheit «Milzbrand» oder «Anthrax» von unserem heuti- gen Wissensstand her zu betrachten. 3) «Chronik der Familie Elkuch», zusammengestellt von Siegfried Elkuch. Vaduz, 1989. 4) Weitere Nachforschungen, zum Beispiel an der Universität von Freiburg in Breisgau, könnten eventuell Aufschluss bringen. 5) Zu Dr. Gassner siehe: Rheinberger, Rudolf: Dr. med. Franz Xaver Gassner 1721/22 bis 1751. In: JBL 95 (1998), S. 117-122. 6) Siehe Johann Reydt: «Bad Pfef'ers». Zug, 1709, S. 209. 7) Vgl. hierzu: Tschugmell, Fridolin: Beamte 1681-1840, Dienstin- struktionen, Diensteide usw. In: JBL 47 (1947), S. 49-108, hier S. 66. 8) Ebenda. 9) Ebenda. 10) Ebenda. 11) Rheinberger, Liechtensteiner Ärzte, wie Anm. 1, S. 24. 12) Seger, Otto: Unsere Vorfahren als Söldner in fremden Diensten. In JBL 79 (1979), S. 7-49. 13) Wie Anmerkung 1. 14) Wie Anmerkung 1, S. 29-39. 15) Statuten der Graubündner Ärztegesellschaft 1820. 16) Dabei handelte es sich mit Sicherheit um den Milzbrand- carbunkel. 17) Es handelt sich wohl um die hereditäre Epidermolysis bullosa. 18) Archiv des Graubündner Ärztevereins im Staatsarchiv Chur. 211
        

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