FRÜHE WUNDÄRZTE UND «CHIRURGEN» IN LIECHTENSTEIN In Liechtenstein ist uns ab der Mitte des 17. Jahr- hunderts eine ganze Reihe von Vertretern des Heil- berufes bekannt. Meist waren es Wundärzte oder «Chirurgen», wie man sie nannte. Einer der frü- hesten, die wir kennen, ist der um 1650 geborene Rudolf Ölkuch, der als Chirurgus in Vaduz wirkte und von dessen Nachkommen sich mehrere eben- falls als Ärzte betätigten. Seine beiden Söhne Ru- dolf und Franz zogen nach Gamprin. Rudolf Ölkuch war als «Wund- und Brucharzt» bekannt, was heisst, dass er neben der üblichen Wundbehand- lung auch Bruchoperationen durchführte. Dies er- forderte viel Geschick und Erfahrung. Er fand im Jahre 1727 unter Kaiser Karl VI. als Militärarzt in Mantua den Tod.3 An seine Stelle trat in Gamprin sein jüngerer Bruder Franz, der als «erfahrener Operator» einen guten Ruf genoss. Franz Ölkuch hatte wiederum einen Sohn, der sich der Medizin zuwandte: Johann Georg; dieser starb im Jahre 1782 in Gamprin. In einer Eintragung im Benderer Totenbuch wird er als «honestus vir ac egregius doctor utriusque medicinae» bezeichnet, das heisst als ehrenwerter Mann und hervorragender Doktor der Medizin und der Chirurgie. Die Übersetzung von «utriusque medicinae» mit «Väh- und Lüta- Dokter» von Fridolin Tschugmell ist wohl nicht richtig. Johann Georg Ölkuch müsste also an einer Universität studiert haben, am ehesten an der Me- dizinischen Fakultät in Innsbruck. Dort sind aber leider die Matrikel aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verschollen, so dass der Studien- gang Ölkuchs im Ungewissen bleibt.4 Etwa zur selben Zeit wie Johann Georg Ölkuch hat der Triesner Franz Xaver Gassner5 das Medi- zinstudium absolviert. Er promovierte im Jahre 1744 zum Doktor der Medizin, verstarb aber schon 1751 als Garnisonsarzt in der Reichsfestung Phi- lippsburg in Baden. Dr. Gassner hat den Arztberuf nie in seiner liechtensteinischen Heimat ausgeübt. Es sind uns in Liechtenstein weitere Wundärzte bekannt, über deren berufliche Qualifizierung nur spärliche Nachrichten vorliegen. So wird im Jahre 
1706 von einem Chirurgus Franz Büchel in Balzers berichtet.6 Ab 1727 amtierte in Vaduz Jakob Hilti als Physikus und Gerichtsarzt.7 Von 1740 an versah Andreas Pümpel zehn Jahre hindurch das Amt des Landschaftsarztes.8 Auf ihn folgte im Jahre 1750 in der selben Stellung Vinzenz Memel,9 welcher wie- derum um 1760 von Valentin Pümpel,10 dem Sohn des Andreas abgelöst wurde. Etwa zur selben Zeit liess sich in Mauren der Chirurg Johann Georg Gebhard Schädler11 nieder, der aus dem Allgäu ein- gewandert war und bis zu seinem Tode im Jahre 1807 dort wirkte. Im Jahre 1793 starb in Frank- reich der Militärchirurg Josef Schädler aus Triesen- berg,12 über den aber auch nichts Näheres bekannt ist. Christoph Grass, Chyrurgus aus Braz,13 beklei- dete das Amt des Landesphysikus von 1784 bis 1809. GEBHARD SCHÄDLER: VERTRETER EINER NEUEN ÄRZTEGENERATION Mit Gebhard Schädler14 betrat am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert der Vertreter einer neuen Generation das Feld der ärztlichen Tätigkeit in Liechtenstein. Er hatte durch fünf Semester an der Universität Freiburg im Breisgau Medizin studiert und das Studium im Jahre 1798 mit dem Magistrat abgeschlossen. Seine ersten praktischen Erfahrun- gen holte er sich als Regimentsarzt im Regiment von Salis-Marschlins, das zu jener Zeit in Holland im Dienste des englischen Königs kämpfte. Nach knapp dreijährigem Dienst liess er sich 1801 in der Gemeinde Eschen nieder, wo er schon bald «Land- schaftsarzt» der Herrschaft Schellenberg wurde. Landvogt Josef Schuppler holte ihn dann im Jahre 1809 als Landesphysikus nach Vaduz, wo er bald eine umfassende ärztliche Tätigkeit entwickelte. Gebhard Schädler war es auch, der die Pocken- schutzimpfung in Liechtenstein einführte. Ein amt- licher «Schutzpocken-Impfschein» bestätigt eine private Impfung durch ihn schon am 3. Mai 1803. Der Impfschein trägt die laufende Nummer 58. Es ist also anzunehmen, dass Schädler die Impfungen schon bald nach seiner Rückkehr aus Holland im 210
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.